19141918
Der Weltkrieg · Karte

Europa 1914: die Kriegsparteien des Ersten Weltkriegs auf der Karte

Wer gehörte zu wem, wann trat welches Land ein, und was geschah dort? Die Karte färbt die heutigen Staatsumrisse nach der Zugehörigkeit des Gebiets im Jahr 1914 – auswählbar per Klick, per Tastatur oder über die Liste.

Ausgebauter Schützengraben an der Ostfront des Ersten Weltkriegs
Ausgebauter Schützengraben an der Ostfront des Ersten WeltkriegsFOTO:Fortepan – ID 85689: Adományozó/Donor: Moravecz János · Public domain · Wikimedia Commons
Europa im Ersten Weltkrieg – Zugehörigkeit der Gebiete 1914Heutige Staatsumrisse, eingefärbt nach der Zugehörigkeit des Gebiets im Jahr 1914. Die Auswahl ist auch über die Liste unter der Karte möglich.
  • Mittelmächte
  • Entente
  • Neutral
  • Späterer Kriegseintritt

Umrisse: heutige Staatsgrenzen (Natural Earth, gemeinfrei). Die Färbung zeigt, welcher Macht das Gebiet 1914 angehörte – sie bildet nicht die Grenzverläufe von 1914 ab.

Mittelmächte

Deutsches Reich

Heutiges Gebiet: Germany · Kriegseintritt: 1. August 1914

Flagge: Deutsches Reich 1867–1918
Hoheitszeichen 1914

Das Deutsche Reich trat am 1. August 1914 mit der Kriegserklärung an Russland in den Krieg ein und marschierte zwei Tage später in Luxemburg und Belgien ein. Es kämpfte an zwei Fronten und war 1918 der letzte Verbündete der Mittelmächte, der kapitulierte.

Führungsmacht der Mittelmächte. Der Krieg wurde fast ausschließlich außerhalb der eigenen Grenzen geführt; die Rückwirkungen trafen das Reich über Blockade, Rationierung und Massenverluste dennoch bis in jedes Dorf.

  1. 1. Aug. 1914Kriegserklärung an Russland, Generalmobilmachung
  2. Aug./Sep. 1914Vormarsch durch Belgien, Halt an der Marne
  3. Feb.–Dez. 1916Schlacht um Verdun
  4. 11. Nov. 1918Waffenstillstand von Compiègne
Quellen zu den historischen Angaben

Zwei Blöcke, ein Kontinent

Die Karte von 1914 zeigt kein Nebeneinander gleichartiger Nationalstaaten, sondern eine Mischung aus Nationalstaaten und Vielvölkerreichen. Vier Imperien bestimmten den Osten und Südosten: das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn, das Russische Kaiserreich und das Osmanische Reich. Zwischen ihnen lagen keine Pufferstaaten, sondern gemeinsame Grenzen – und Bevölkerungen, die sich keinem der Reiche eindeutig zuordneten.

Über diese Landkarte legte sich ein Bündnissystem, das ursprünglich als Abschreckung gedacht war. Der Dreibund von 1882 verband das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn und Italien; ihm stand die Triple Entente aus Frankreich, Russland und Großbritannien gegenüber, gewachsen aus drei zweiseitigen Vereinbarungen zwischen 1894 und 1907. Im Ernstfall wirkten diese Bündnisse als Übertragungsriemen: Ein Konflikt zwischen Wien und Belgrad erreichte über die Beistandspflichten binnen einer Woche sechs Großmächte.

Die Neutralen und was Neutralität bedeutete

Sechs europäische Staaten blieben durchgehend neutral: die Schweiz, die Niederlande, Dänemark, Norwegen, Schweden und Spanien. Ihre Lage war dadurch nicht unbelastet. Die Handelsblockaden beider Seiten trafen sie unmittelbar; Norwegen verlor rund die Hälfte seiner Handelsflotte durch den U-Boot-Krieg, Schweden erlebte 1917 Hungerunruhen. Die Niederlande nahmen etwa eine Million belgische Flüchtlinge auf, die Schweiz internierte Zehntausende kranke Kriegsgefangene beider Seiten.

Ein Sonderfall ist Dänemark. Der Staat war neutral, doch Nordschleswig gehörte 1914 zum Deutschen Reich – rund 30.000 dänischsprachige Männer wurden in die deutsche Armee eingezogen, etwa 5.000 kehrten nicht zurück. Nach der Volksabstimmung von 1920 kam der Landesteil zu Dänemark; die Gräber blieben, wo sie waren.

Wie diese Karte zu lesen ist

Die Umrisse sind heutige Staatsgrenzen aus einem gemeinfreien Datensatz. Die Färbung sagt, welcher Macht das jeweilige Gebiet 1914 angehörte. Beides zusammen ist eine bewusste Entscheidung: Eine Karte mit erfundenen historischen Grenzverläufen wäre gefälliger, aber falsch, und für die Frage nach den Kriegsparteien sind die Zugehörigkeiten das Entscheidende.

Praktisch heißt das: Polen erscheint als Fläche, obwohl es 1914 keinen polnischen Staat gab – die Färbung und der Text weisen darauf hin, dass das Gebiet zwischen drei Reichen geteilt war. Dasselbe gilt für Tschechien, die Slowakei, Slowenien, Kroatien und das Baltikum. Der Informationsteil rechts nennt für jedes Gebiet den historischen Staat, den Kriegseintritt und die Schlüsseldaten.

Die Karte danach

Fünf Jahre später sah Europa anders aus. Aus dem Zerfall der vier Imperien entstanden Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Polen, die Tschechoslowakei, das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen sowie die Republiken Österreich und Ungarn in neuen Grenzen. Das Prinzip des Selbstbestimmungsrechts, auf das sich die Pariser Friedenskonferenz berief, ließ sich in ethnisch gemischten Räumen nicht widerspruchsfrei anwenden – in jedem neuen Staat lebten Minderheiten, die sich einem anderen zugehörig fühlten.

Wie diese Neuordnung zustande kam und was aus ihr folgte, behandelt das Kapitel Folgen und Nachkriegsordnung. Wie es überhaupt so weit kam, steht unter Ursachen und Kriegsausbruch.

Häufige Fragen

Welche Länder gehörten 1914 zu den Mittelmächten?

Bei Kriegsbeginn das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn. Das Osmanische Reich trat Ende Oktober 1914 hinzu, Bulgarien im Oktober 1915. Italien gehörte zwar dem Dreibund an, erklärte sich zunächst für neutral und trat im Mai 1915 auf der Gegenseite in den Krieg ein.

Welche Länder gehörten zur Entente?

Der Kern war das Bündnis aus Frankreich, dem Russischen Kaiserreich und Großbritannien. Belgien und Serbien wurden 1914 angegriffen, Montenegro trat sofort bei. Später kamen Italien (1915), Portugal und Rumänien (1916), die Vereinigten Staaten und Griechenland (1917) hinzu, dazu zahlreiche weitere Staaten.

Welche europäischen Staaten blieben neutral?

Die Schweiz, die Niederlande, Dänemark, Norwegen, Schweden und Spanien. Neutralität bedeutete jedoch nicht Unbeteiligtsein: Die Niederlande nahmen rund eine Million belgische Flüchtlinge auf, Norwegen verlor etwa die Hälfte seiner Handelstonnage, und aus dem damals deutschen Nordschleswig zogen rund 30.000 dänischsprachige Männer in die deutsche Armee.

Warum zeigt die Karte heutige Grenzen?

Weil eine Karte der Grenzen von 1914 eigene Vermessungsdaten voraussetzt, die hier nicht vorliegen. Statt Grenzverläufe zu erfinden, arbeitet diese Darstellung mit den heutigen Staatsumrissen und färbt sie danach ein, welcher Macht das jeweilige Gebiet 1914 angehörte. Die Karte beantwortet damit die Frage nach der Zugehörigkeit, nicht die nach dem Grenzverlauf.

Welche Staaten gab es 1914 noch nicht?

Unter anderem Polen, die Tschechoslowakei, Jugoslawien, Finnland, Estland, Lettland, Litauen und die heutige Ukraine als eigenständige Staaten. Ihr Gebiet gehörte zum Deutschen Reich, zu Österreich-Ungarn oder zum Russischen Kaiserreich. Sie entstanden 1917 bis 1920 aus dem Zerfall dieser Reiche.

Quellen

  • Jörn Leonhard: Die Büchse der Pandora. Geschichte des Ersten Weltkriegs. C.H. Beck, München 2014.
  • 1914-1918-online. International Encyclopedia of the First World War, Freie Universität Berlin.
  • Bundeszentrale für politische Bildung: Dossier Erster Weltkrieg.
  • Kartenumrisse: Natural Earth, gemeinfrei.