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Ausstellungen · Belgien

Ausstellungen zum Ersten Weltkrieg in Belgien: Häuser, Themen und Hintergrund

Welche Häuser in Belgien den Ersten Weltkrieg zeigen – und warum der Krieg dort auf eine eigene Weise erinnert wird.

Der Eingangsstein des Hooge Crater Cemetery in Flandern
Der Eingangsstein des Hooge Crater Cemetery in FlandernUser:Redvers · Public domain · Wikimedia Commons

Kein Land trägt die Spuren des Ersten Weltkriegs so dicht wie Belgien. Der deutsche Einmarsch am 4. August 1914 machte den neutralen Staat binnen Tagen zum Kriegsschauplatz; fast das gesamte Staatsgebiet blieb bis 1918 besetzt. Nur ein schmaler Streifen hinter der Yser blieb unter belgischer Kontrolle – erkauft mit der Flutung der Ebene, die das Land dort bis heute prägt.

Ypern wurde zum Sinnbild des Stellungskriegs. Die Stadt war 1918 vollständig zerstört und wurde in den 1920er Jahren nach historischem Vorbild wieder aufgebaut, ein Vorgang, der selbst Gegenstand der Ausstellungen geworden ist. Hier fand am 22. April 1915 der erste großflächige deutsche Gaseinsatz statt, und hier steht mit dem Menentor das Denkmal für rund 55.000 Vermisste des Commonwealth, an dem seit 1928 allabendlich das Last Post geblasen wird.

Die belgische Museumslandschaft arbeitet deshalb stark mit dem Ort selbst. Das In Flanders Fields Museum in der wiederaufgebauten Tuchhalle verbindet die Ausstellung mit dem Blick über das Umland; kleinere Häuser in der Westhoek zeigen einzelne Aspekte – Propaganda, Artillerie, das Leben der Zivilbevölkerung unter Besatzung. Wer mit einer Gruppe kommt, sollte einen Tag für die Museen und einen zweiten für die Anlagen im Gelände einplanen.

Belgien im Krieg 1914–1918

Königreich Belgien – Entente, Kriegseintritt: 4. August 1914.

Belgien war völkerrechtlich neutral. Der deutsche Einmarsch am 4. August 1914 machte das Land zum Kriegsschauplatz und zum Anlass des britischen Kriegseintritts.

Fast das gesamte Land war besetzt; nur ein Streifen hinter der Yser blieb unter belgischer Kontrolle. Ypern wurde zum Sinnbild des Stellungskriegs.

  1. 4. Aug. 1914Deutscher Einmarsch
  2. Okt. 1914Yser-Schlacht, Flutung der Ebene
  3. 22. Apr. 1915Erster deutscher Gasangriff bei Ypern

Eine interaktive Übersicht aller Kriegsparteien und ihrer Zugehörigkeit im Jahr 1914 bietet die Karte Europa 1914. Welche Kriegsgräberstätten in diesem Land verzeichnet sind, zeigt die Länderübersicht der Erinnerungsorte.

Verzeichnete Ausstellungen in Belgien

"Target: Kinder - Propaganda im Ersten Weltkrieg"

Im Ersten Weltkrieg war es für die Kriegsführenden von entscheidender Bedeutung, die öffentliche Meinung zu kennen und – nicht zuletzt mithilfe der Ende des 19. Jahrhunderts aufgekommenen Massenmedien – zu beeinflussen. Der gesamte Alltag, auch der von Kindern, war vom Krieg betroffen. Der Krieg drang über scheinbar unschuldige Kanäle wie Mal- und Lesebücher und Spielzeug in die Kinderleben ein. Bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein galten Kinder als selbstverständlicher Teil der Gesellschaft und wurden dementsprechend behandelt. Das änderte sich im Ersten Weltkrieg. Während des ersten weltumspannenden Kriegs betrachtete man Kinder plötzlich als Individuen und als politisch manipulierbar. Sie spielten eine bedeutende Rolle in der Kriegspropaganda. Die westlichen Nationen hielten es für notwendig und nützlich, Kinder über den „Ruhm" und die „Richtigkeit" der Schlachten zu informieren. Dabei bedienten sie sich der Mittel und Methoden, die Kinder auch in Friedenszeiten liebten, wie Bildergeschichten, Abenteuerromane, Tiergeschichten, Malbücher und Spielzeug. Auf diese Weise wurden sie empfänglich für die destruktive Einflüsse des Krieges. Die Ausstellung „Target: Kinder. Propaganda im Ersten Weltkrieg" illustriert anhand von Literaturbeispielen, Bildergeschichten, Zeitschriften, Spielzeug und anderen auf Kinder bezogenen Kanälen, wie der Erste Weltkrieg das Leben von Kindern und ihren Eltern beeinflusste. Gleichzeitig wird indirekt deutlich, wie sich der Status der Kinder in der westlichen Gesellschaft verändert hat.Veranstaltungsort:Sint-Pietersplein 99000 Gent Termin:November 2015 - April 2016

"Militärnachrichten vor 100 Jahren"

Das Memorial Museum of Passchendaele greift in seiner neuen Ausstellung ein sehr spannendes Thema auf: den Nachrichtenaustausch des Militärs vor 100 Jahren. Die Nachrichten und Informationen des Feindes waren nicht nur im Ersten Weltkrieg Gold wert. An sie heran zu kommen und diese zu entschlüsseln war eine Aufgabe an der viele Soldaten akribisch arbeiteten. Somit widmet sich die Ausstellung zum Austausch und zur Übermittlung von Nachrichten einem brisanten und interessanten Thema in der Militärgeschichte. Veranstaltungsort: Memorial Museum Passchendaele 1917 Ieperstraat 5 B-8980 Zonnebeke Termin:24.04. - 15.12.2015

In Flanders Fields Museum – "Erster Weltkrieg“

Das „In Flanders Fields Museum" erzählt ab dem Jahr 2014 mit der neuen Dauerausstellung in der historischen Tuchhalle die persönlichen Geschichten einfacher Menschen und schafft eine Verbindung zum Landschaftsbild des Ersten Weltkriegs in Westflandern. Nach Umbaumaßnahmen hat das Museum seine Größe verdoppelt und beinhaltet nun auch ein Informationscenter über den Ersten Weltkrieg. Es werden mehr als 2.000 Originalobjekte und Dokumente gezeigt und die Besucher haben die Möglichkeit, über interaktive Informationsstände vier persönliche Geschichten zu erfahren. Veranstaltungsort: In Flanders Fields Museum Grote Markt Ieper 8900

14 - 18: die Geburt des 20. Jahrhunderts

Das Museum of Europe präsentiert anlässlich zum 100 jährigen Jubiläums des Ersten Weltkrieges eine neue Ausstellung zu diesem Thema, mit dem Titel "14 - 18: die Geburt des 20. Jahrhunderts".Im Vordergrund der Ausstellung werden die Folgen des Krieges für Europa bis zum heutigen Tag stehen. Im Speziellen der Krieg und das besondere Alltagsleben während dieser Zeit.Anhand von authentischen Objekten, Dekoren, Zeitzeugengeschichten, Spielfilmen und virtuellen Welten wird dem Besucher ein anschauliches Bild jener Zeit vermittelt und auch, welche Auswirkungen dies auf die Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts hatte. Veranstaltungsort:Museum of EuropeHavenlaan 86c1000 Brüssel Termin:26.02.2014 - 26.04.2015 Öffnungszeiten:Montag - Freitag 09:00 - 17:00 UhrSamstag - Sonntag 10:00 - 19:00 Uhr

Lange Max Museum

Das Lange Max Museum ist ein "Muss" für Weltkriegs-Touristen auf der deutschen Seite der Westfront des 1. Weltkriegs. Eine ehemaliger Bauernhof ist der Mittelpunkt dieser kulturellen und touristischen Stätte. Von dem ehemaligen Bauernhof führt Sie eine lange Allee zu den Überresten des Geschützbettes der deutschen Artilleriekanone "Lange Max". Die eigentliche Bedeutung der Kanone und dessen Nutzen für die Deutschen erfährt der Besucher in einem ganz neuen Museum, welches mit modernem Videomaterial ausgerüstet ist. Dort erfährt er auch etwas über die damalige Ingenieurskunst, die in der Lage war mit dieser Kanone Dünkirchen zu beschießen. Die deutsche Besetzung von Koekelare war auch für dessen Bevölkerung von großem Nutzen da die Beschaffung und Produktion von Nachschub Koekelare und Umgebung voll beschäftigte. Dies zeigt eine einzigartige Ausstellung insbesondere über die Logistik hinter der Front. Das ehemalige Backhaus ist ebenfalls restauriert und lässt noch die Anwesenheit der deutschen Besatzer erahnen. Es dient heute als Multimediasaal. Veranstaltungsort:Lange Max MuseumClevenstraat 28680 KoekelareBelgium

Triennale Brügge

Städte wachsen in unglaublichem Tempo. 1975 gab es drei Megacities, also Städte mit mehr als 10.000 Bewohnern, heute sind es 31. Was würde passieren, wenn dies auch mit Flanderns beschaulichen Städten geschehen würde? Im Rahmen der Triennale zeitgenössischer Kunst gehen eine Reihe renommierter Künstler und Architekten vom 20. Mai und 18. Oktober 2015 dieser Frage in Brügge nach. An verschiedenen Orten im Stadtgebiet wird zu erleben sein, wie die zeitgenössische Kunst diese Fragestellungen umgesetzt hat. In das Projekt werden die Kanäle und der Glockenturm ebenso mit einbezogen wie beispielsweise die Burg, das Stadthaus und die Hefe-Fabrik. Beim fraglos inspirierenden Rundgang durch Brügge tragen eindringliche, poetische und befremdende Kunstwerke der Triennale dazu bei, Visionen zu entwickeln und sich auf Schritt und Tritt Gedanken über die zunehmende globale Urbanisierung zu machen. Veranstaltungsort: durchgehend an verschiedenen Orten in Brügge Termin:20.05.-18.10.2015

Kunst am Meer

Beaufort #5 Vom 21. Juni bis zum 21. September 2015 wandeln sich drei belgische Küstenorte zum nunmehr fünften Mal in eine großräumige Freiluftgalerie. Zwischen Zwin und Knokke im Osten, Raversijde und Oostende in der Mitte sowie Koksijde und De Panne im Westen werden bei der fünften Auflage von Beaufort, der Triennale für zeitgenössische Kunst, wieder Kunstwerke und Skulpturen namhafter Künstler zu bestaunen sein, die allesamt einen Bezug auf den Ersten Weltkrieg haben werden. Nur alle drei Jahre steigt dieses faszinierende Kulturereignis, an dem sich bereits so international renommierte Künstler wie Gormley, Fabre, Ai Wei Wei und Kapoor beteiligt haben. Zu sehen sind neben den Beiträgen des Jahres 2015 in verschiedenen Küstengemeinden auch mehr als zwei Dutzend Kunstwerke und Skulpturen aus den vorangegangen Beaufort-Veranstaltungen, die dort dauerhaft installiert sind. Veranstaltungsort:Zwin/Knokke, Raversijde/Oostende & Koksijde/De Panne Termin:21.06.-21.09.2015, ganztägig

Weitere verzeichnete Häuser

Die Angaben stammen aus dem übernommenen Bestand dieses Portals. Laufzeiten und Öffnungszeiten sind vor einem Besuch beim jeweiligen Haus zu prüfen.

Häufige Fragen

Sind die Ausstellungen in Belgien noch zu sehen?

Ein Teil der hier verzeichneten Ausstellungen war auf das Zentenarium 2014 bis 2018 befristet und ist inzwischen abgebaut. Die Einträge geben den Stand des übernommenen Bestands wieder und sind kein Veranstaltungskalender. Dauerausstellungen zum Ersten Weltkrieg bestehen in Belgien unabhängig davon weiter; sie werden in der Regel alle zehn bis fünfzehn Jahre überarbeitet, weil sich sowohl der Forschungsstand als auch die Vermittlungsformen ändern. Vor einer Anreise lohnt deshalb immer ein Blick auf die Seite des Hauses – gerade kleinere Museen haben eingeschränkte Öffnungszeiten und schließen im Winter teilweise ganz.

Was kostet der Eintritt und wie bucht man eine Führung?

Eintrittspreise unterscheiden sich stark und ändern sich regelmäßig; verbindlich ist immer die Auskunft des Hauses. Verbreitet sind ermäßigte Tarife für Schülerinnen und Schüler, Studierende und Gruppen, und mehrere kommunale Häuser erheben gar keinen Eintritt. Führungen sollten möglichst früh angefragt werden – bei größeren Museen mit mehreren Wochen Vorlauf, weil die Vermittlungskapazitäten begrenzt sind. Wer mit einer Schulklasse kommt, sollte im selben Zug nach Material für die Vorbereitung fragen; die meisten Häuser stellen es kostenfrei zur Verfügung.

Gibt es Angebote für Schulklassen?

Die größeren Häuser halten Führungen, Workshops und Materialien für Lehrkräfte bereit, teils mit Originalen, häufiger mit Repliken zum Anfassen. Erfahrungsgemäß trägt ein Besuch am meisten, wenn er eine Frage beantwortet, die im Unterricht vorher gestellt wurde, und wenn der Arbeitsauftrag eine Beobachtung verlangt statt eines Ankreuzens. Ein Vorbereitungstermin für die Lehrkraft ist bei fast allen Häusern möglich und lohnt sich. Weitere Hinweise und Projektformate stehen unter Projekte und Bildung.

Wie verbindet man einen Ausstellungsbesuch mit einem Ort?

Indem man beides an einem Tag plant. Eine Ausstellung erklärt Zusammenhänge, ein Ort erzeugt Nähe; erst zusammen ergeben sie ein Bild. In Belgien lassen sich Museumsbesuche häufig mit einer Kriegsgräberstätte, einem Denkmal oder einem erhaltenen Stellungsrest verbinden, die wenige Kilometer entfernt liegen. Welche Anlagen in Frage kommen, zeigt die Kriegsgräberliste. Für Gruppen gilt der übliche Hinweis: Kriegsgräberstätten sind Friedhöfe, und die dortige Ordnung gilt uneingeschränkt.

Wo finde ich weitere Ausstellungen?

Über die Länderübersicht dieses Portals, über die Museumsverbände sowie über die Landeszentralen für politische Bildung, die auch Wanderausstellungen zum Ausleihen vorhalten. Digitale Ausstellungen und Online-Sammlungen, die ortsunabhängig zugänglich sind, führt der Bereich Internetangebote.