19141918
Der Weltkrieg · Kapitel 02

Der Kriegsverlauf 1914–1918: Fronten, Schlachten und das Kriegsende Jahr für Jahr

Der Kriegsverlauf 1914 bis 1918 verlief anders als geplant. Alle Seiten rechneten mit einem kurzen Feldzug. Nach zehn Wochen war der Bewegungskrieg vorbei und die Front erstarrte auf 700 Kilometern. Was folgte, war vier Jahre Abnutzung – mit einzelnen Schlachten, die länger dauerten als der Krieg von 1870/71 insgesamt.

Australische Soldaten auf einem Knüppeldamm durch den zerschossenen Chateau Wood bei Ypern, Oktober 1917
Australische Soldaten auf einem Knüppeldamm durch den zerschossenen Chateau Wood bei Ypern, Oktober 1917Frank Hurley · Public domain · Wikimedia Commons

1914: Der Bewegungskrieg und sein Ende an der Marne

Der deutsche Aufmarsch führte über Belgien nach Nordfrankreich. Lüttich fiel nach zwölf Tagen, Brüssel am 20. August. Anfang September standen deutsche Verbände rund 50 Kilometer vor Paris. In der Marneschlacht vom 5. bis 12. September 1914 gelang der französischen Armee mit britischer Unterstützung der Gegenstoß; die deutsche Führung nahm die Armeen hinter die Aisne zurück.

Es folgte der „Wettlauf zum Meer": Beide Seiten versuchten, die jeweils offene Nordflanke zu umfassen, bis die Front im November 1914 bei Nieuwpoort an der Nordsee endete. Von dort bis zur Schweizer Grenze standen sich zwei durchgehende Grabensysteme gegenüber. Die Flandernschlacht bei Ypern beendete die Bewegungsphase mit hohen Verlusten unter kaum ausgebildeten Freiwilligenverbänden.

Im Osten warfen deutsche Truppen bei Tannenberg Ende August 1914 die russische 2. Armee zurück, während Österreich-Ungarn in Galizien schwere Niederlagen erlitt und Lemberg verlor. Der Feldzug gegen Serbien scheiterte 1914 zweimal; Belgrad wurde im Dezember zurückerobert.

1915: Stellungskrieg, Gaskrieg und neue Fronten

1915 war das Jahr, in dem der Krieg seine industrielle Form fand. Am 22. April setzten deutsche Truppen bei Ypern erstmals Chlorgas in großem Maßstab ein; binnen Monaten führten alle Seiten chemische Waffen ein. Die Angriffe in der Champagne und bei Loos zeigten das Grundproblem des Stellungskriegs: Artillerievorbereitung kündigte jeden Angriff an, Maschinengewehre und Drahtverhaue stoppten die Infanterie, Reserven kamen langsamer voran als die Verteidiger.

Im Osten brachte die Offensive bei Gorlice-Tarnów im Mai 1915 den Durchbruch; russische Truppen räumten Polen, Litauen und Kurland. Italien trat am 23. Mai auf Seiten der Entente ein und eröffnete die Gebirgsfront am Isonzo. Bulgarien schloss sich im Oktober den Mittelmächten an; Serbien wurde besetzt, seine Armee zog sich im Winter über die albanischen Berge nach Korfu zurück. Der Landungsversuch der Entente bei Gallipoli scheiterte nach neun Monaten.

1916: die Schlachten um Verdun und an der Somme

1916 steht für zwei Materialschlachten, die zum Sinnbild des Krieges wurden. Beide Schlachten endeten ungefähr dort, wo sie begonnen hatten.

Bei Verdun begann am 21. Februar ein deutscher Angriff, der die französische Armee an einem Punkt binden und ausbluten sollte, den sie aus nationalen Gründen nicht aufgeben konnte. Die Kämpfe zogen sich bis Dezember. Auf beiden Seiten fielen, wurden verwundet oder vermisst rund 700.000 Menschen; die Frontlinie lag am Ende ungefähr dort, wo sie begonnen hatte.

An der Somme eröffneten britische und französische Truppen am 1. Juli eine Entlastungsoffensive. Allein am ersten Tag verlor die britische Armee rund 57.000 Mann, davon fast 19.000 Gefallene – der verlustreichste Tag ihrer Geschichte. Bis November wurde ein Geländestreifen von wenigen Kilometern gewonnen. Hier kamen im September erstmals Panzer zum Einsatz.

Im Osten brachte die Brussilow-Offensive ab Juni den größten Geländegewinn der Entente seit 1914 und brachte Österreich-Ungarn an den Rand des Zusammenbruchs. Rumänien trat im August ein und war bis Dezember weitgehend besetzt. Zur See lieferten sich Hochseeflotte und Grand Fleet Ende Mai die Skagerrakschlacht, die größte Seeschlacht des Krieges; die britische Blockade blieb bestehen.

1917: Revolution, U-Boot-Krieg und der Kriegseintritt der USA

Das Jahr veränderte die Kräfteverhältnisse grundlegend. Am 1. Februar nahm das Deutsche Reich den uneingeschränkten U-Boot-Krieg wieder auf, um Großbritannien binnen Monaten von der Versorgung abzuschneiden. Die Rechnung ging nicht auf: Das Konvoisystem senkte die Verluste, und am 6. April erklärten die Vereinigten Staaten dem Deutschen Reich den Krieg. Ihre Truppen wurden ab 1918 zum entscheidenden Gewicht.

In Russland stürzte im März die Monarchie, im November übernahmen die Bolschewiki die Macht und schlossen einen Waffenstillstand. An der Westfront scheiterte die französische Nivelle-Offensive am Chemin des Dames so verlustreich, dass es in Teilen der Armee zu Gehorsamsverweigerungen kam. Die dritte Flandernschlacht bei Passchendaele versank ab Juli im Schlamm. In Italien brachte der Durchbruch bei Karfreit im Oktober die Front an den Piave zurück.

1918: die letzten Offensiven und das Kriegsende

Der Frieden von Brest-Litowsk am 3. März 1918 machte Truppen im Osten frei. Ab dem 21. März führte die deutsche Führung fünf große Offensiven im Westen, die tief in die alliierten Stellungen einbrachen, aber weder Häfen noch Eisenbahnknoten erreichten und die eigenen Reserven aufbrauchten.

Ab dem 8. August, dem „schwarzen Tag des deutschen Heeres" bei Amiens, ging die Initiative endgültig an die Alliierten über. Bulgarien schloss am 29. September einen Waffenstillstand, das Osmanische Reich am 30. Oktober, Österreich-Ungarn am 3. November. In Deutschland führte der Befehl zum Auslaufen der Hochseeflotte Ende Oktober zum Matrosenaufstand in Kiel und binnen Tagen zur Novemberrevolution. Am 9. November wurde die Republik ausgerufen, am 11. November 1918 um 11 Uhr schwiegen an der Westfront die Waffen.

Der Kriegsverlauf 1914 bis 1918 in der Bilanz

Der Kriegsverlauf 1914 bis 1918 lässt sich am Ende in Größenordnungen fassen. Rund 70 Millionen Menschen waren mobilisiert, etwa 9 bis 10 Millionen Soldaten fielen, rund 20 Millionen wurden verwundet. Hinzu kamen Millionen ziviler Opfer durch Besatzung, Vertreibung, Hunger und die Grippepandemie von 1918. Die Zahlen schwanken je nach Zählweise erheblich, und für mehrere Kriegsschauplätze gibt es keine belastbaren Register.

Das Kriegsende kam an den einzelnen Fronten zu verschiedenen Zeitpunkten, zwischen dem Ausscheiden Russlands im März 1918 und dem Waffenstillstand von Compiègne im November. Was der Krieg politisch und gesellschaftlich hinterließ, behandelt das Kapitel Folgen und Nachkriegsordnung. Wo die Toten dieses Krieges heute liegen, zeigt die Kriegsgräberliste.

Häufige Fragen

Warum wurde aus dem Bewegungskrieg ein Stellungskrieg?

Weil Feuerkraft und Verteidigung der Beweglichkeit weit voraus waren. Schnellfeuerartillerie, Maschinengewehre und Stacheldraht machten offene Angriffe extrem verlustreich, während Nachschub und Reserven nur im Fußmarschtempo folgen konnten. Ein Durchbruch ließ sich lokal erzwingen, aber nicht ausnutzen – der Verteidiger war per Eisenbahn schneller am Einbruchsraum als der Angreifer zu Fuß.

Welche Schlacht war die verlustreichste?

Gemessen an den Gesamtverlusten stehen Verdun und die Somme 1916 an der Spitze, beide mit Größenordnungen von etwa einer Million Toten, Verwundeten und Vermissten auf beiden Seiten zusammen. Der verlustreichste einzelne Tag war der 1. Juli 1916 an der Somme für die britische Armee.

Wann und wo endete der Erste Weltkrieg?

Der Waffenstillstand wurde am 11. November 1918 um 5:20 Uhr in einem Eisenbahnwaggon im Wald von Compiègne unterzeichnet und trat um 11 Uhr in Kraft. Die anderen Mittelmächte hatten bereits vorher kapituliert. Die Friedensverträge folgten 1919 und 1920.

Welche Fronten gab es außer der Westfront?

Die Ostfront von der Ostsee bis zu den Karpaten, die italienische Gebirgsfront am Isonzo und in den Dolomiten, die Balkanfront gegen Serbien und später an der Saloniki-Linie, die osmanischen Fronten am Kaukasus, in Mesopotamien und Palästina, dazu der Seekrieg im Atlantik und in der Nordsee sowie Kämpfe in den afrikanischen und pazifischen Kolonien.

Quellen