Der Volkstrauertag: Bedeutung, Datum und Ablauf des stillen Gedenktags
Die Bedeutung des Volkstrauertags erschließt sich am besten am Tag selbst: Zwei Sonntage vor dem ersten Advent stehen in Deutschland Menschen an Denkmälern und Gräbern. Der Volkstrauertag ist der einzige Gedenktag, der aus dem Ersten Weltkrieg hervorging und bis heute begangen wird.

Die Bedeutung des Volkstrauertags
Die Bedeutung des Volkstrauertags lässt sich in einem Satz fassen: Er ist ein stiller Gedenktag für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Anders als ein Feiertag hat er kein Programm und kein Ergebnis; er besteht aus einer Unterbrechung. Gedacht wird der gefallenen Soldaten beider Weltkriege, der zivilen Opfer, der Ermordeten der nationalsozialistischen Verfolgung, der Opfer von Terror und Vertreibung sowie der Soldatinnen und Soldaten, die in heutigen Einsätzen ums Leben kamen.
Die Formel, die den Tag prägt, stammt aus dem Totengedenken, das seit 1952 im Deutschen Bundestag gesprochen wird und mit dem Satz endet, dass das Gedenken den Lebenden gelte und der Verpflichtung zu Frieden und Versöhnung. Genau darin liegt der Unterschied zum Heldengedenken früherer Jahrzehnte: Der Tag ehrt nicht den Krieg, sondern zählt seine Kosten.
Wann ist Volkstrauertag? Datum und Termin
Das Datum wechselt jedes Jahr. Der Volkstrauertag fällt in Deutschland auf den vorletzten Sonntag vor dem ersten Advent, also auf den Sonntag zwei Wochen vor Advent. Damit liegt er je nach Jahr zwischen dem 13. und dem 19. November. Er gehört zu den gesetzlich geschützten stillen Tagen; in den meisten Bundesländern gelten Einschränkungen für öffentliche Tanzveranstaltungen und laute Unterhaltung.
Auf den Volkstrauertag folgt eine Woche später der Totensonntag, der evangelische Gedenktag für die Verstorbenen der Gemeinde. Beide Tage werden häufig verwechselt: Der Volkstrauertag ist staatlich geprägt und gilt den Opfern von Krieg und Gewalt, der Totensonntag ist kirchlich geprägt und gilt allen Verstorbenen.
Wie der Gedenktag entstand
Die Anregung geht auf das Jahr 1919 zurück, als nach dem Ersten Weltkrieg ein Tag zum Gedenken an die Gefallenen vorgeschlagen wurde. Erstmals begangen wurde er 1922 mit einer Feierstunde im Reichstag. Ab 1926 fand er regelmäßig am Sonntag Reminiscere in der Fastenzeit statt.
1934 wurde der Tag von den Nationalsozialisten zum staatlichen „Heldengedenktag" umgewidmet und in Inhalt und Form umgedeutet: aus Trauer wurde Heroisierung, aus dem Sonntag in der Passionszeit ein militärisch inszenierter Staatsakt.
Nach 1945 wurde die ursprüngliche Idee wieder aufgenommen. Seit 1952 liegt der Volkstrauertag am heutigen Termin am Ende des Kirchenjahres – bewusst nicht mehr im Frühjahr, um die Verbindung zur nationalsozialistischen Prägung zu lösen. Seither ist er auch inhaltlich erweitert worden: Er gilt nicht mehr nur den eigenen Toten, sondern den Opfern aller Nationen.
Ablauf einer Gedenkveranstaltung
Die zentrale Gedenkstunde findet im Deutschen Bundestag statt, mit einer Rede, dem Totengedenken des Bundespräsidenten und den Nationalhymnen. In den Gemeinden folgt der Ablauf meist einem ähnlichen Muster:
- Gemeinsamer Gang oder Aufstellung am Denkmal oder am Gräberfeld
- Musikalischer Rahmen, häufig durch einen örtlichen Musik- oder Gesangverein
- Ansprache, oft durch Bürgermeisterin oder Bürgermeister
- Kranzniederlegung und Schweigeminute
- Ein Beitrag von Schülerinnen und Schülern, zunehmend als biografische Lesung
- Abschluss mit einem Lied, traditionell häufig „Ich hatt' einen Kameraden"
Der Trend der vergangenen Jahre geht dahin, die Namen auf dem Denkmal aufzulösen: Statt einer allgemeinen Ansprache wird ein einzelnes Schicksal recherchiert und vorgetragen. Das verlangt Vorarbeit, verändert aber die Wirkung der Feier erheblich.
Den Tag in Schule und Gemeinde gestalten
Wer eine Gedenkveranstaltung vorbereitet, steht vor einer doppelten Aufgabe: Der Anlass ist mehr als hundert Jahre alt, das Publikum lebt heute. Drei Zugänge haben sich bewährt.
Der lokale Zugang. Die Namen auf dem eigenen Denkmal sind der beste Einstieg. Kirchenbücher, Meldekarten und lokale Zeitungen der Kriegsjahre erlauben es, aus einem Namen eine Biografie zu machen – Alter, Beruf, Familie, Sterbeort.
Der europäische Zugang. Kriegsgräberstätten liegen in fast jedem europäischen Land, oft mit Toten mehrerer Nationen nebeneinander. Diese Perspektive verhindert, dass Gedenken zum Nationalgedenken schrumpft.
Der Gegenwartsbezug. Der Tag gilt ausdrücklich auch heutigen Opfern von Krieg und Gewalt. Das macht ihn anschlussfähig, ohne die historische Grundlage zu verlassen.
Material für die Vorbereitung findet sich unter Downloads und Pädagogisches Material.
Häufige Fragen
Was bedeutet der Volkstrauertag?
Er ist ein stiller staatlicher Gedenktag für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft – gefallene Soldaten beider Weltkriege, zivile Opfer, Ermordete der NS-Verfolgung, Opfer von Terror sowie in Einsätzen getötete Soldatinnen und Soldaten. Der Tag ist bewusst als Trauer- und nicht als Ehrentag angelegt; sein Bezugspunkt ist die Verpflichtung zu Frieden und Versöhnung.
Wann ist der Volkstrauertag?
Am vorletzten Sonntag vor dem ersten Advent, also zwei Sonntage vor Advent. Das Datum liegt je nach Jahr zwischen dem 13. und 19. November. Eine Woche später folgt der Totensonntag.
Was ist der Unterschied zwischen Volkstrauertag und Totensonntag?
Der Volkstrauertag ist ein staatlicher Gedenktag für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Der Totensonntag – auch Ewigkeitssonntag – ist ein evangelischer Gedenktag für alle Verstorbenen und der letzte Sonntag des Kirchenjahres. Der Volkstrauertag liegt eine Woche vor dem Totensonntag.
Welche Sprüche und Texte passen zum Volkstrauertag?
Am gebräuchlichsten ist das Totengedenken, das seit 1952 im Bundestag gesprochen wird. Daneben werden häufig Gedichte der Kriegsjahre gelesen, Passagen aus Feldpostbriefen oder Texte über Versöhnung. Ein biografischer Text über eine Person vom eigenen Denkmal wirkt in der Regel stärker als ein allgemeines Zitat.
Ist der Volkstrauertag ein Feiertag?
Nein, er ist kein gesetzlicher Feiertag, sondern ein gesetzlich geschützter stiller Tag. Geschäfte und Betriebe bleiben geöffnet; in den meisten Bundesländern gelten Beschränkungen für öffentliche Tanz- und Unterhaltungsveranstaltungen.