1914–1918
Erinnerungsorte · Deutschland

Kriegsgräberstätte Olsberg-Brunskappel-Katholischer Friedhof in Deutschland: Anlage, Lage und Geschichte

Diese Seite fasst zusammen, was über die Kriegsgräberstätte Olsberg-Brunskappel-Katholischer Friedhof überliefert ist: die Anlage selbst, ihre Lage und der rechtliche Rahmen, in dem sie erhalten wird.

Kriegsgräberstätte, stellvertretende Ansicht – zur Anlage Olsberg-Brunskappel-Katholischer Friedhof liegt in diesem Verzeichnis kein eigenes Bild vor
Kriegsgräberstätte, stellvertretende Ansicht – zur Anlage Olsberg-Brunskappel-Katholischer Friedhof liegt in diesem Verzeichnis kein eigenes Bild vorUnbekannt · Public domain · Wikimedia Commons

Die Anlage Olsberg-Brunskappel-Katholischer Friedhof

Kriegsgräberstätte in Olsberg-Brunskappel Die Ereignisse der letzten Kriegstage Am späten Nachmittag des 5. April 1945 erreichten amerikanische Soldaten Brunskappel. Die im Ort verbliebenen Wehrmachtssoldaten leisteten zähen Widerstand, sodass die über Wiemeringhausen anrückenden US-Soldaten Brunskappel erst am späten Abend, kurz vor 23 Uhr, einnehmen konnten. Zwischenzeitlich sollen sogar Flugzeuge zur Bombardierung des Dorfs angefordert worden sein, doch Regen und Dunkelheit verhinderten den Einsatz der Bomber. Viele Bewohner Brunskappels flüchteten während des Angriffs in den Wald und in alte Stollen. Das zeitnächste historische Dokument über diesen Tag stammt vom Brunskappeler Pfarrer Franz Sparenberg (1882-1957). Er hat am 14. August 1945 die Ereignisse handschriftlich in einem Bericht an das Erzbischöfliche Generalvikariat in Paderborn festgehalten. Seine Darstellung ist die Grundlage für später verfasste Texte. So berichtet er unter anderem davon, dass die weiße Fahne wegen der Anwesenheit der Wehrmachtssoldaten nicht gehisst werden konnte, und davon, dass bei dem Kampf um das Dorf sieben Wohnhäuser abgebrannt sind und kein Haus unbeschädigt blieb. Laut seinem Bericht soll ein deutscher Soldat auf den Pfarrer geschossen haben, als dieser versuchte, die weiße Fahne zum Zeichen der Kapitulation zu hissen. Gefallene Soldaten und zivile Opfer Bei den Kämpfen in und um Brunskappel starben neun Soldaten, drei Arbeitsmänner und zwei Zivilisten. Zehn Gefallene wurden am 9. April 1945 auf dem Brunskappeler Kirchhof beerdigt, zwei weitere, erst später in der Feldflur gefundene, am 17. April. In den folgenden Tagen und Wochen wurden zwei der Gefallenen, Josef Lippes und Willi Hölters, in ihre Heimatorte Fredeburg und Mönchengladbach umgebettet. So blieben auf dem Brunskappeler Kirchhof zehn Kriegsgräber: Günther Josef Plitt - 17 Jahre - Arbeitsmann Robert Herbert Zastrau - 24 Jahre - Unteroffizier Friedrich Senne - 35 Jahre - Obergefreiter Bernhard Hartmann - 34 Jahre - Feldwebel Adolf Herbert - 37 Jahre - Obergefreiter Walter Helmut Dürrschmidt - 26 Jahre - Stabsgefreiter Albert Simon - 33 Jahre - Soldat Unbekannter Soldat - keine Erkennungsmarke Wilhelm Linden - 18 Jahre - Arbeitsmann Hermann Friedrich Doerge 40 Jahre Arbeitsführer Einer der beiden verstorbenen Zivilisten, August Senge, verließ während des Angriffs der amerikanischen Soldaten den Keller seines Hauses, um im Haus nach dem Rechten zu sehen. Währenddessen traf eine Granate das Haus. August Senge wurde durch Granatsplitter verletzt. Als endlich ärztliche Hilfe geholt werden konnte, war er bereits seinen Verletzungen erlegen. Der zweite Zivilist, der Landwirt Josef Grotenhöfer, hat sieben Wochen nach dem Angriff mit seinem Sohn Helmut am Kahlenberg Holz geschleppt. Der Sohn trat dabei auf eine Mine und trug Verletzungen am Rücken davon. Josef Grotenhöfer wurde an der Halsschlagader tödlich verletzt. August Senge und Josef Grotenhöfer wurden in Brunskappel in Reihengräbern bestattet. Bemerkenswert ist auch das Schicksal des Gefallenen Günther Josef Plitt. Seine Mutter, die aus Brunskappel stammte, war gegen Ende des Kriegs von Dortmund nach Hause gekommen, um hier Schutz und Sicherheit zu finden. Günther Josef Plitt hatte davon erfahren und hatte sich nach Brunskappel durchgeschlagen, um hier seine Mutter zu treffen. Beim Einmarsch der Amerikaner gehörte sie zu den Dorfbewohnern, die in einem der alten Stollen Schutz suchten. Auf dem Weg dorthin traf Günther Josef Plitt die tödliche Kugel. Am nächsten Tag wurde sein Leichnam am Bahndamm gefunden. Als man den Toten auf einer zugedeckten Trage ins Dorf brachte, stand die Mutter vor ihrem Elternhaus (Schusters) und sagte auf Platt (hier übersetzt): Wen habt Ihr denn da? Es wird doch wohl nicht unser Günther sein? Als die Decke zurückgeschlagen wurde, erkannte die Mutter ihren toten Sohn. Ihr Schmerzensschrei ist den Nachbarn lange Jahre in Erinnerung geblieben." Die Tatsache, dass unter den Gefallenen nicht nur Soldaten, sondern auch drei Arbeitsmänner sind, macht deutlich, dass in diesen letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs alle verfügbaren Männer, auch wenn sie nicht an der Waffe ausgebildet waren, für das sinnlose Unterfangen eingesetzt wurden, einen Krieg zu gewinnen, der nicht mehr zu gewinnen war. So berichtet ein Zeitzeuge, der am 5. April 1945 als Arbeitsmann in Brunskappel zur Waffe greifen musste, den Soldaten sei gesagt worden, der Führer werde in Kürze eine Geheimwaffe einsetzen und damit die entscheidende Wende im Kriegsgeschehen herbeiführen. Recherche und Restaurierung In den 1960er-Jahren wurde eines der Gräber auf dem Kriegsgräberfeld, das Grab des unbekannten Soldaten, aufgegeben. An seiner Stelle fand das Oberammergauer Kreuz mit Corpus Platz, das bis dahin mittig hinter den Kriegsgräbern stand. Dies geschah wahrscheinlich, als die Holzkreuze, die seit dem Kriegsende auf den Gräbern standen, gegen Steinkreuze ausgetauscht wurden. Warum genau das Grab aufgegeben wurde, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit nachvollziehen. Bei seinen Recherchen zu den Ereignissen der letzten Kriegstage in Brunskappel stieß Ortsheimatpfleger Günter Körner im Mai 2008 auf ein Foto aus dem Buch "Der Große Kessel" von Willi Mues (erschienen 1984), in dem der Autor die Ereignisse im sogenannten "Ruhrkessel" dokumentiert. Dieses Foto aus dem Jahr 1946 zeigt zehn Kriegsgräber, wobei auf einem der abgebildeten Kreuze die Inschrift nicht erkennbar ist. Der Versuch, die Inschrift mit Hilfe der technischen Mittel des Landeskriminalamts in Düsseldorf lesbar zu machen, blieb ohne Erfolg. Da der damalige Brunskappeler Totengräber Wilhelm Wiegelmann im April 1945 für den zehnten Gefallenen den Vermerk "Unbekannt" in sein Register eingetragen hatte und auch die zuständige Deutsche Dienststelle in Berlin nicht zur Klärung beitragen konnte, lässt sich die Identität des Toten heute nicht mehr ermitteln. Im Jahr 2012 wurde die Brunskappeler Kriegsgräberstätte restauriert. Der unbekannte Gefallene bekam seine letzte Ruhestätte zurück, versehen mit einem Grabstein mit der Aufschrift "Unbekannter Soldat". Auf drei Grabsteinen wurden bislang zum Teil falsch angegebene Geburts- und Sterbedaten korrigiert. Das Oberammergauer Kreuz mit Corpus wurde aufgearbeitet. Es steht jetzt wieder an seinem ursprünglichen Platz, mittig hinter den nunmehr wieder zehn Kriegsgräbern. Die Förderer Die Restaurierung der Kriegsgräberstätte wurde von folgenden Förderern finanziell unterstützt: Sparkasse Hochsauerland Volksbank Bigge-Lenne CDU Ortsverband Brunskappel Pfarrei St. Servatius Brunskappel (als Träger des Friedhofs) Dorfgemeinschaft Brunskappel e. V. Arbeitskreis Heimatpflege Brunskappel Bild und Texte : Mario Polzer

Wie Olsberg-Brunskappel-Katholischer Friedhof entstanden ist, folgt einem verbreiteten Muster: Während des Krieges wurde in der Nähe des Sterbeortes bestattet, meist bei einem Lazarett oder auf dem Friedhof der Garnison. Aus diesen Einzelgräbern wurden in den 1920er Jahren die abgegrenzten Felder, die heute auf vielen kommunalen Friedhöfen liegen.

Kriegsgräberabkommen in Deutschland

Die Gestaltung, der Bau, die Pflege und Unterhaltung von Kriegsgräberstätten wurden im Inland durch die Bundesregierung im "Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft"(Gräbergesetz) sowie in der "Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Gräbergesetz? (Gestaltungsrichtlinie Inland) festgeschrieben. Demnach wurde die Herrichtung, Pflege und Unterhaltung der Kriegsgräber im Inland den einzelnen Bundesländern übertragen. Die Länder delegieren die Aufgaben zur Pflege und Instandsetzung der Kriegsgräber in aller Regel an die nachgeordneten Verwaltungseinheiten (Friedhofsträger). Aufgrund der seitens der Bundesregierung vorgenommenen Aufgabenteilung ist der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. im Inland nur beratend tätig, setzt sich jedoch im Rahmen des Möglichen und in Zusammenarbeit mit den Friedhofsträgern für die Erhaltung und Pflege der Kriegsgräberstätten im Inland ein. © Copyright | 2024 | 100-jahre-erster-weltkrieg.eu Datenschutz

Kriegsgräber auf kommunalen Friedhöfen

Ein großer Teil der deutschen Kriegsgräber des Ersten Weltkriegs liegt nicht auf eigenen Soldatenfriedhöfen, sondern als abgegrenztes Feld auf einem kommunalen Friedhof. Olsberg-Brunskappel-Katholischer Friedhof gehört zu dieser Gruppe, und daraus folgt das meiste Praktische: Zuständig ist die Friedhofsverwaltung der Gemeinde, und dort liegen auch die Belegungsunterlagen.

Rechtlich unterscheiden sich diese Gräber bis heute von allen anderen. Nach dem Gräbergesetz besteht für Kriegsgräber ein dauerndes Ruherecht: Sie dürfen nicht eingeebnet und nicht neu belegt werden, und die Kosten der Erhaltung trägt die öffentliche Hand. Wer eine Anlage aus den Unterlagen der 1920er Jahre sucht, findet sie deshalb in aller Regel noch am selben Ort.

Für die Erinnerungsarbeit ist gerade diese Art von Anlage ergiebig, weil sich die Namen mit kommunalen Quellen verbinden lassen. Sterberegister, Lazarettlisten und Friedhofsbücher liegen häufig im selben Stadtarchiv, und für Olsberg-Brunskappel-Katholischer Friedhof beginnt eine Recherche deshalb sinnvollerweise dort und nicht bei einer zentralen Stelle.

Hinweise für einen Besuch

Olsberg-Brunskappel-Katholischer Friedhof ist ein Friedhof und kein Ausflugsziel; die örtliche Friedhofsordnung gilt uneingeschränkt. Die Öffnungszeiten richten sich nach denen des Friedhofs, auf dem die Anlage liegt.

Eine Wegbeschreibung liegt in diesem Verzeichnis nicht vor. Für die genaue Lage innerhalb des Friedhofs gibt die zuständige Verwaltung Auskunft. Wer mit einer Gruppe kommt, meldet sich am besten vorher an; für Deutschland gilt das besonders dann, wenn eine Kranzniederlegung geplant ist.

Wer an Olsberg-Brunskappel-Katholischer Friedhof eine Gedenkveranstaltung vorbereitet, findet Ablaufvorschläge und Handreichungen unter Downloads; die Namenssuche selbst ist in der Anleitung zur Gräbersuche beschrieben.

Weitere Anlagen in Deutschland

Alle Anlagen in Deutschland ansehen

Häufige Fragen

Wo liegt die Kriegsgräberstätte Olsberg-Brunskappel-Katholischer Friedhof?

Die Anlage liegt in Deutschland. Eine genaue Wegangabe ist in diesem Verzeichnis nicht überliefert; die Lage lässt sich über die zuständige Friedhofsverwaltung oder die Gemeinde erfragen.

Wer ist in Olsberg-Brunskappel-Katholischer Friedhof bestattet?

Die Beschreibung der Anlage nennt die Belegung, soweit sie in diesem Verzeichnis überliefert ist. Namenslisten der Bestatteten führen die zuständigen Gräberdienste, nicht dieses Verzeichnis. Der Einstieg in eine Namenssuche ist in der Anleitung zur Gräbersuche beschrieben.

Wer pflegt die Kriegsgräber in Deutschland?

Die Gestaltung, der Bau, die Pflege und Unterhaltung von Kriegsgräberstätten wurden im Inland durch die Bundesregierung im "Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft"(Gräbergesetz) sowie in der "Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Gräbergesetz? (Gestaltungsrichtlinie Inland) festgeschrieben. Demnach wurde die Herrichtung, Pflege und Unterhaltung der Kriegsgräber im Inland den einzelnen Bundesländern übertragen. Die Länder delegieren die Aufgaben zur Pflege und Instandsetzung der Kriegsgräber in aller Regel an die nachgeordneten Verwaltungseinheiten (Friedhofsträger). Aufgrund

Darf die Anlage besucht werden?

Olsberg-Brunskappel-Katholischer Friedhof ist wie jede Kriegsgräberstätte öffentlich zugänglich, soweit der Friedhof geöffnet ist, auf dem die Anlage liegt. Für Deutschland gilt die jeweilige örtliche Friedhofsordnung. Eine Anmeldung ist für Einzelbesuche nicht nötig, für Gruppen und Kranzniederlegungen dagegen üblich.

Quellen

  • Bestandsangaben dieses Verzeichnisses zur Anlage Olsberg-Brunskappel-Katholischer Friedhof.
  • Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft (Gräbergesetz).
  • Zwischenstaatliche Kriegsgräberabkommen für Deutschland.