19141918
Erinnerungsorte · Deutschland

Kriegsgräberstätte Frankfurt am Main, Hauptfriedhof in Deutschland: Anlage, Lage und Geschichte

Diese Seite fasst zusammen, was über die Kriegsgräberstätte Frankfurt am Main, Hauptfriedhof überliefert ist: die Anlage selbst, ihre Lage und der rechtliche Rahmen, in dem sie erhalten wird.

Kriegsgräberstätte, stellvertretende Ansicht – zur Anlage Frankfurt am Main, Hauptfriedhof liegt in diesem Verzeichnis kein eigenes Bild vor
Kriegsgräberstätte, stellvertretende Ansicht – zur Anlage Frankfurt am Main, Hauptfriedhof liegt in diesem Verzeichnis kein eigenes Bild vorSnowdog · Public domain · Wikimedia Commons

Die Anlage Frankfurt am Main, Hauptfriedhof

Dieser Text ist ein Ergebnis des Forschungsprojektes des Landesverbandes Hessen Zur historischen Aufarbeitung auserwählter Kriegsgräberstätten in Hessen: http://www.volksbund.de/hessen/projekte0/forschungsprojekt0.html (Text der Informationstafel) Auf 20 Friedhöfen im Stadtgebiet von Frankfurt am Main haben insgesamt 10.658 Tote des Ersten und Zweiten Weltkrieges ihre letzte Ruhe gefunden. Die größten Kriegsgräberstätten liegen auf dem Hauptfriedhof sowie dem Waldfriedhof Oberrad. Einige der auf diesem Friedhof gelegenen Gräberfelder wurden bereits während des Krieges angelegt und später von der Stadt Frankfurt in Zusammenarbeit mit Bund und Land sowie dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. ausgestaltet. Umbettungen von verschiedenen Stadtteilfriedhöfen trugen zur Erweiterung der Anlage bei. Zu den beigesetzten Toten gehören deutsche sowie ausländische Männer, Frauen und Kinder.Den Mittelpunkt der Anlage bildet das Ehrenmal für die Toten des Ersten Weltkrieges. 1.625 deutsche Soldaten sowie 41 russische und serbische Kriegsgefangene haben im vorderen Teil des Gewann VII ihre letzte Ruhe gefunden. 3.109 deutsche Soldaten des Zweiten Weltkrieges und zivile deutsche Opfer des Bombenkrieges wurden im hinteren Teil des Gewann VII beigesetzt. Ihre Gräber sind mit rötlichen Sandsteinkreuzen gekennzeichnet. Ein schmaler Weg rechts neben dem Ehrenmal führt zum Mahnmal (Hiob) für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. In dem daran anschließenden Gräberfeld wurden 895 ausländische Zwangsarbeitskräfte und Kriegsgefangene sowie 545 deutsche Opfer der Gewaltherrschaft zusammengebettet. Auf der hinteren, rechten Seite im Gewann X haben 113 polnische Tote des Zweiten Weltkrieges ihre letzte Ruhe gefunden. Gräberfeld der deutschen Soldaten des Ersten Weltkrieges Schon zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurden in Frankfurt zahlreiche Lazarette eingerichtet, in denen schließlich über 8.000 Soldaten versorgt werden konnten. Der Höchststand war am 20. November 1918 mit 122 Lazaretten und einer Kapazität von 13.959 Betten erreicht. Etwa 60% der Lazarettinsassen hatten sich in den Kämpfen an der Westfront Schußverletzungen und Knochenbrüche zugezogen. Die meisten der verwundeten Soldaten starben im Oktober und November 1918. Gräberfeld der zivilen deutschen Bombenopfer Von Juni 1940 bis zum März 1945 war Frankfurt zahlreichen Bombenangriffen ausgesetzt. Die schwersten Angriffe erlebte die Frankfurter Bevölkerung zwischen dem 18. und 24. März 1944. Der Altstadtkern und die Innenstadt wurden fast vollständig zerstört, auch Goethes Geburtshaus brannte nieder. Mehr als 180.000 Menschen wurden obdachlos. Die 22-jährige Else Benker (Reihe 25, Grab 4) kam beim Bombenangriff am 22. März 1944 in Ausübung ihres Berufs als Krankenschwester im Marienkrankenhaus ums Leben. Am 12. September 1944 gab es einen weiteren Angriff, bei dem auch der Bockenheimer Luftschutzbunker in der Mühlgasse getroffen wurde. An diesem Tag starben dort zahlreiche Frauen und Kinder, darunter die 28-jährige Katharina Brunner mit ihrem knapp zweijährigen Sohn Karlheinz (Reihe 47, Grab 13 und 14). Gräberfeld der deutschen und ausländischen Opfer der NS-Gewaltherrschaft Unter den deutschen Opfern des Nationalsozialismus finden sich die Urnen von 355 Menschen, die im Rahmen der Vernichtung lebensunwerten Lebens ermordet wurden. Die meisten von ihnen kamen in der Landesheil- und Pflegeanstalt Hadamar ums Leben. Der elfjährige Alfred Gerlach aus Frankfurt (Block 1G, Reihe 8, Grab 8) war bereits in mehrere Anstalten eingewiesen worden, bevor man ihn am 19. März 1941 von Scheuern nach Hadamar verlegte. Wenige Wochen später wurde er Opfer der Euthanasie und wahrscheinlich in der Gaskammer der Anstalt ermordet. Wie in vielen anderen Städten des Deutschen Reiches wurden während des Krieges auch in Frankfurt Tausende von Zwangsarbeitskräften bei ortsansässigen Rüstungsbetrieben eingesetzt. Mehr als 500.000 Menschen mußten beispielsweise für die I.G. Farben AG arbeiten. Meistens kamen sie aus der ehemaligen Sowjetunion. Viele von ihnen starben an Krankheit, Entkräftung, Hunger und Unterernährung. Die 19-jährige Katarina Pritecka (Block A, Reihe 2, Grab 3) starb am 14. April 1945 im Städtischen Krankenhaus. Waldemar Judicki (Block N, Reihe 1 Grab 33) wurde als Lagerarbeiter beschäftigt und kam am 9. März 1945 im Alter von 20 Jahren ums Leben. Die Todesursachen sind in beiden Fällen unbekannt. Gemeinschaftsgrab der KZ-Häftlinge Etwas abseits findet sich im Gewann E das Gemeinschaftsgrab von 528 KZ-Häftlingen. Es waren vor allem polnische Staatsbürger, die zwischen August 1944 und März 1945 bei den Frankfurter Adlerwerken, einem Außenkommando des KZ Natzweiler, Zwangsarbeit leisten mussten.

Wie Frankfurt am Main, Hauptfriedhof entstanden ist, folgt einem verbreiteten Muster: Während des Krieges wurde in der Nähe des Sterbeortes bestattet, meist bei einem Lazarett oder auf dem Friedhof der Garnison. Aus diesen Einzelgräbern wurden in den 1920er Jahren die abgegrenzten Felder, die heute auf vielen kommunalen Friedhöfen liegen.

Kriegsgräberabkommen in Deutschland

Die Gestaltung, der Bau, die Pflege und Unterhaltung von Kriegsgräberstätten wurden im Inland durch die Bundesregierung im "Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft"(Gräbergesetz) sowie in der "Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Gräbergesetz? (Gestaltungsrichtlinie Inland) festgeschrieben. Demnach wurde die Herrichtung, Pflege und Unterhaltung der Kriegsgräber im Inland den einzelnen Bundesländern übertragen. Die Länder delegieren die Aufgaben zur Pflege und Instandsetzung der Kriegsgräber in aller Regel an die nachgeordneten Verwaltungseinheiten (Friedhofsträger). Aufgrund der seitens der Bundesregierung vorgenommenen Aufgabenteilung ist der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. im Inland nur beratend tätig, setzt sich jedoch im Rahmen des Möglichen und in Zusammenarbeit mit den Friedhofsträgern für die Erhaltung und Pflege der Kriegsgräberstätten im Inland ein. © Copyright | 2024 | 100-jahre-erster-weltkrieg.eu Datenschutz

Kriegsgräber auf kommunalen Friedhöfen

Ein großer Teil der deutschen Kriegsgräber des Ersten Weltkriegs liegt nicht auf eigenen Soldatenfriedhöfen, sondern als abgegrenztes Feld auf einem kommunalen Friedhof. Frankfurt am Main, Hauptfriedhof gehört zu dieser Gruppe, und daraus folgt das meiste Praktische: Zuständig ist die Friedhofsverwaltung der Gemeinde, und dort liegen auch die Belegungsunterlagen.

Rechtlich unterscheiden sich diese Gräber bis heute von allen anderen. Nach dem Gräbergesetz besteht für Kriegsgräber ein dauerndes Ruherecht: Sie dürfen nicht eingeebnet und nicht neu belegt werden, und die Kosten der Erhaltung trägt die öffentliche Hand. Wer eine Anlage aus den Unterlagen der 1920er Jahre sucht, findet sie deshalb in aller Regel noch am selben Ort.

Für die Erinnerungsarbeit ist gerade diese Art von Anlage ergiebig, weil sich die Namen mit kommunalen Quellen verbinden lassen. Sterberegister, Lazarettlisten und Friedhofsbücher liegen häufig im selben Stadtarchiv, und für Frankfurt am Main, Hauptfriedhof beginnt eine Recherche deshalb sinnvollerweise dort und nicht bei einer zentralen Stelle.

Hinweise für einen Besuch

Frankfurt am Main, Hauptfriedhof ist ein Friedhof und kein Ausflugsziel; die örtliche Friedhofsordnung gilt uneingeschränkt. Die Öffnungszeiten richten sich nach denen des Friedhofs, auf dem die Anlage liegt.

Eine Wegbeschreibung liegt in diesem Verzeichnis nicht vor. Für die genaue Lage innerhalb des Friedhofs gibt die zuständige Verwaltung Auskunft. Wer mit einer Gruppe kommt, meldet sich am besten vorher an; für Deutschland gilt das besonders dann, wenn eine Kranzniederlegung geplant ist.

Wer an Frankfurt am Main, Hauptfriedhof eine Gedenkveranstaltung vorbereitet, findet Ablaufvorschläge und Handreichungen unter Downloads; die Namenssuche selbst ist in der Anleitung zur Gräbersuche beschrieben.

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Häufige Fragen

Wo liegt die Kriegsgräberstätte Frankfurt am Main, Hauptfriedhof?

Die Anlage liegt in Deutschland. Eine genaue Wegangabe ist in diesem Verzeichnis nicht überliefert; die Lage lässt sich über die zuständige Friedhofsverwaltung oder die Gemeinde erfragen.

Wer ist in Frankfurt am Main, Hauptfriedhof bestattet?

Die Beschreibung der Anlage nennt die Belegung, soweit sie in diesem Verzeichnis überliefert ist. Namenslisten der Bestatteten führen die zuständigen Gräberdienste, nicht dieses Verzeichnis. Der Einstieg in eine Namenssuche ist in der Anleitung zur Gräbersuche beschrieben.

Wer pflegt die Kriegsgräber in Deutschland?

Die Gestaltung, der Bau, die Pflege und Unterhaltung von Kriegsgräberstätten wurden im Inland durch die Bundesregierung im "Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft"(Gräbergesetz) sowie in der "Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Gräbergesetz? (Gestaltungsrichtlinie Inland) festgeschrieben. Demnach wurde die Herrichtung, Pflege und Unterhaltung der Kriegsgräber im Inland den einzelnen Bundesländern übertragen. Die Länder delegieren die Aufgaben zur Pflege und Instandsetzung der Kriegsgräber in aller Regel an die nachgeordneten Verwaltungseinheiten (Friedhofsträger). Aufgrund

Darf die Anlage besucht werden?

Frankfurt am Main, Hauptfriedhof ist wie jede Kriegsgräberstätte öffentlich zugänglich, soweit der Friedhof geöffnet ist, auf dem die Anlage liegt. Für Deutschland gilt die jeweilige örtliche Friedhofsordnung. Eine Anmeldung ist für Einzelbesuche nicht nötig, für Gruppen und Kranzniederlegungen dagegen üblich.

Quellen

  • Bestandsangaben dieses Verzeichnisses zur Anlage Frankfurt am Main, Hauptfriedhof.
  • Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft (Gräbergesetz).
  • Zwischenstaatliche Kriegsgräberabkommen für Deutschland.