1914–1918
Erinnerungsorte · Frankreich

Kriegsgräberstätte Ploudaniel-Lesneven in Frankreich: Anlage, Lage und Geschichte

Diese Seite fasst zusammen, was über die Kriegsgräberstätte Ploudaniel-Lesneven überliefert ist: die Anlage selbst, ihre Lage und der rechtliche Rahmen, in dem sie erhalten wird.

Kriegsgräberstätte, stellvertretende Ansicht – zur Anlage Ploudaniel-Lesneven liegt in diesem Verzeichnis kein eigenes Bild vor
Kriegsgräberstätte, stellvertretende Ansicht – zur Anlage Ploudaniel-Lesneven liegt in diesem Verzeichnis kein eigenes Bild vorTriplec85 · CC0 · Wikimedia Commons

Die Anlage Ploudaniel-Lesneven

Ploudaniel-Lesneven Während des Zweiten Weltkrieges haben sich in der französischen Bretagne sowohl in den Jahren 1940 wie auch ganz besonders 1944 zum Teil erbitterte Kämpfe abgespielt. Am 20. Juni 1940 wurde Brest von den Deutschen eingenommen. In den darauffolgenden Jahren bis zum Beginn der alliierten Landung im Juni 1944 forderten britische Luftangriffe auf den Kriegshafen Brest viele Opfer, insbesondere als von 1940 bis zum 11. Februar 1942 die Schlachtschiffe Scharnhorst und Gneisenau und der schwere Kreuzer Prinz Eugen im Hafen von Brest lagen. Nach der Landung der Alliierten in der Normandie wurde das isolierte Brest mit seiner starken Besatzung im August und September 1944 angegriffen und am 19. September 1944 von den Amerikanern eingenommen. Bei den Kämpfen in der Landschaft Bretagne und um Brest gab es schwere Verluste. Nach Abschluss der Kämpfe um die Festung Brest legte der amerikanische Gräberdienst im Nordwesten der Bretagne südöstlich von Lesneven, an einer von der Route National 170 nach Osten abzweigenden, später neu ausgebauten Nebenstraße, ein Gräberfeld an, auf dem eine große Zahl von Gefallenen der deutschen Wehrmacht bestattet wurde. Später nahmen auch französische Behörden hier Zubettungen vor, so dass die Anlage schließlich bis auf etwa 2600 Gräber anwuchs. Daraus entstand der deutsche Soldatenfriedhof Ploudaniel-Lesneven. Im Rahmen des deutsch-französischen Kriegsgräberabkommens vom Jahre 1953 wurde vereinbart, die bis dahin nur provisorische Gräberstätte durch Zubettungen aller anderen, bisher in den Départements Finistère und Cotes-du-Nord bestatteten Gefallenen zu erweitern und zu einem deutschen Soldatenfriedhof zu gestalten. Im Januar 1961 wurde mit der Umbettung der Toten durch die Umbetter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge begonnen. Heute ruhen auf diesem Soldatenfriedhof 5831 deutsche Gefallene. Im Verlauf der Umbettungsarbeiten gelang es, zahlreiche bisher nicht bekannt gewesene Gräber aufzufinden und eine große Anzahl zunächst unbekannter Toter zu identifizieren, so dass vielen Angehörigen nach jahrelanger Ungewissheit Klarheit über das Schicksal ihres aus dem Kriege nicht zurückgekehrten Verwandten gegeben werden konnte. Gleichzeitig begann der Volksbund unter wesentlicher finanzieller Beihilfe der Bundesregierung mit dem Ausbau der Anlage. Der Friedhof wird von drei Seiten durch Erdwälle eingefasst und nur am Eingang zum Teil durch eine Bruchsteinmauer gegen die Straße hin angeschlossen. Vor dem Wall, links neben dem Eingangsgebäude, liegt der Parkplatz. Der Name des Friedhofes und das Signet des Volksbundes sind am Eingang auf einer Bronzetafel angebracht. Das Eingangsgebäude ist ein flacher langgestreckter Bau aus rotem Granit. Er enthält außer dem Aufenthaltsraum und dem Geräteraum für den Pflegedienst einen zur Friedhofsseite offenen Raum, in dem das Namensverzeichnis der hier Bestatteten ausliegt. Hier ist auch ein Orientierungsplan für die Besucher in der Mauer angebracht. Das Gräberfeld ist in 14 verschiedene Blöcke eingeteilt. Zwei Hauptwege führen von der Eingangshalle zum zentralen Gedenkort. Er wird durch einen auf 12 Stahlbetonstützen ruhenden Mauerring von 23 m Durchmesser gebildet. Durch diesen schwebenden Ring wird ein Raum geschaffen, der das Gräberfeld und die Landschaft in ihrer unendlichen Weite optisch mit einschließt. Trotzdem hat der in seiner Mitte stehende das Gefühl, sich in einem geschlossenen Raum zu befinden. Im Mittelpunkt des Ringes liegt das Kameradengrab mit 224 Gefallenen. Es ist durch einen sarkophargähnlichen Granitblock gekennzeichnet. Als Abdeckung des Kameradengrabes dienen große, um den Granitblock angeordnete Bronzetafeln, von denen eine die Inschrift trägt: In einem gemeinsamen Grabe fanden hier 224 deutsche Soldaten ihre letzte Ruhestätte. Von ihnen blieben 115 unbekannt. Drei weitere Tafeln verzeichnen die Namen der hier beigesetzten Toten, soweit sie bekannt sind. Neben dem Schwebenden Ring stehen drei Hochkreuze aus Granit. Diese Kreuzgruppe und der zentrale Gedenkort prägen den Charakter dieser Kriegsgräberstätte. Die Bodendecke der Gräberfelder besteht aus Rasen. Vereinzelte Baum- und Strauchgruppen, vornehmlich Eichen, lockern die strenge Anordnung der Gräberblöcke auf. Dem gleichen Zweck dienen auf freien Flächen angepflanzte Stauden, Beete mit Efeu und am Wall auch Ginster. Schon lange Zeit vor der Fertigstellung der Anlage wurden die Arbeiten von der französischen Öffentlichkeit mit regem Interesse verfolgt. Bremer Jugendgruppen, die freundschaftliche Beziehungen zu französischen Gruppen im Gebiet von Brest pflegen, haben zu verschiedenen Zeitpunkten bei den Arbeiten mitgeholfen, zum Beispiel beim Versetzen der Grabsteine. Der Friedhof wurde am 07. September 1968 unter Beteiligung von Angehörigen der Gefallenen eingeweiht. Die Gedenkveranstaltung 40 Jahre deutscher Soldatenfriedhof Ploudaniel-Lesneven fand am 16.08.2008 statt. Pate dieses Friedhofes ist der Volksbund, Landesverband Bremen

Ploudaniel-Lesneven geht auf die Zusammenlegung zahlreicher Einzel- und Behelfsgrabstätten zurück. Nach 1918 und erneut in den 1950er Jahren wurden die verstreuten Gräber eines Frontabschnitts auf wenige große Anlagen überführt; die heutige Größe ist das Ergebnis dieser Umbettungen und nicht die eines einzelnen Gefechts.

Landesinformation für Frankreich

Der Krieg 1870/71 Der deutsch-französische Krieg 1870/71 war der Beginn von drei Auseinandersetzungen innerhalb von 75 Jahren. Gräber und Denkmäler erinnern noch heute an diesen Krieg, der bei beiden Nationen 80.000 Menschenleben forderte. Verheerend wirkte sich der Erste Weltkrieg in Frankreich aus. 930.000 deutsche und eine Million französische Soldaten sind gefallen. Auf 192 Anlagen ruhen 461.000 Gefallene in Einzelgräbern, etwa 294.000 sind in Gemeinschaftsgräbern bestattet. Die Neugestaltung der 192 Anlagen des Ersten Weltkrieges für 765.000 Gefallenen dauerte bis in die 80er Jahre. Holzkreuze wurden durch Stein- oder Metallkreuze ersetzt und die Anlagen baulich und gärtnerisch überarbeitet. Der Zweite Weltkrieg kostete in Frankreich 240.000 Menschen auf deutscher und 255.000 auf französischer Seite das Leben. Das Kriegsgräberabkommen vom 19.07.1996 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Frankreich regelt den Ausbau und die Erhaltung der deutschen Kriegsgräberstätten. In dem Vertrag wurden dem Volksbund die Arbeiten übertragen. 1975 waren alle 22 Anlagen für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges fertiggestellt. Jugendliche halfen und helfen in deutschen und

Kriegsgräberabkommen in Frankreich

Abkommen zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Französischen Republik über die deutschen Kriegsgräber auf französischem Hoheitsgebiet. Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland einerseits, und die Regierung der französischen Republik andererseits - in dem Wunsch, für die auf dem französischen Hoheitsgebiet liegenden deutschen Kriegsgräber aus den Kriegen 1914/18 und 1939/45 eine endgültige Regelung zu schaffen, in dem Bestreben, die Erhaltung und Pflege dieser Gräber in würdiger Weise sicherzustellen, sind wie folgt übereingekommen: Artikel 1 Im Sinne dieses Abkommens gelten als a) deutsche Kriegstote: Angehörige der deutschen Streitkräfte, diesen gleichgestellte Personen, Personen deutscher Staatsangehörigkeit, die im Zusammenhang mit den Kriegsereignissen 1914/18 und 1939/45 gestorben sind und die, soweit es sich um die letztere Gruppe und den letzten Krieg handelt, im Zeitpunkt ihres Todes unter dem Schutz der Genfer Konvention von 1929 standen; b) deutsche Kriegsgräber: die auf französischem Hoheitsgebiet liegenden Gräber deutscher Kriegstoter; c) deutsche Kriegsgräberstätten: die Friedhöfe oder Teile von Friedhöfen, die nur deutsche Kri

Kriegsgräber in Frankreich

Die deutschen Kriegsgräber in Frankreich sind nach 1918 und noch einmal nach 1954 auf eine überschaubare Zahl großer Sammelanlagen zusammengelegt worden. Ploudaniel-Lesneven ist eine davon, und das erklärt die Größenordnung: Hier ruhen Tote aus einem ganzen Frontabschnitt, nicht die Gefallenen eines Ortes.

Die Erhaltung ist zwischenstaatlich geregelt. Die Anlagen liegen auf französischem Staatsgebiet und werden auf der Grundlage des deutsch-französischen Kriegsgräberabkommens dauerhaft unterhalten; das Ruherecht ist unbefristet. Eine Einebnung, wie sie bei zivilen Gräbern nach Ablauf der Ruhefrist üblich ist, findet hier nicht statt.

Für die Suche nach einer einzelnen Person bedeutet die Zusammenlegung, dass Sterbeort und heutiger Ruheort weit auseinanderliegen können. Der Weg führt über die Gräberkartei, nicht über den Ort des Gefechts.

Hinweise für einen Besuch

Ploudaniel-Lesneven ist ein Friedhof und kein Ausflugsziel; die örtliche Friedhofsordnung gilt uneingeschränkt. Die großen Sammelanlagen sind in der Regel ganzjährig zugänglich und haben einen eigenen Eingangsbereich mit Namensverzeichnis.

Eine Wegbeschreibung liegt in diesem Verzeichnis nicht vor. Für die genaue Lage innerhalb des Friedhofs gibt die zuständige Verwaltung Auskunft. Wer mit einer Gruppe kommt, meldet sich am besten vorher an; für Frankreich gilt das besonders dann, wenn eine Kranzniederlegung geplant ist.

Wer an Ploudaniel-Lesneven eine Gedenkveranstaltung vorbereitet, findet Ablaufvorschläge und Handreichungen unter Downloads; die Namenssuche selbst ist in der Anleitung zur Gräbersuche beschrieben.

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Häufige Fragen

Wo liegt die Kriegsgräberstätte Ploudaniel-Lesneven?

Die Anlage liegt in Frankreich. Eine genaue Wegangabe ist in diesem Verzeichnis nicht überliefert; die Lage lässt sich über die zuständige Friedhofsverwaltung oder die Gemeinde erfragen.

Wer ist in Ploudaniel-Lesneven bestattet?

Die Beschreibung der Anlage nennt die Belegung, soweit sie in diesem Verzeichnis überliefert ist. Namenslisten der Bestatteten führen die zuständigen Gräberdienste, nicht dieses Verzeichnis. Der Einstieg in eine Namenssuche ist in der Anleitung zur Gräbersuche beschrieben.

Wer pflegt die Kriegsgräber in Frankreich?

Abkommen zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Französischen Republik über die deutschen Kriegsgräber auf französischem Hoheitsgebiet. Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland einerseits, und die Regierung der französischen Republik andererseits - in dem Wunsch, für die auf dem französischen Hoheitsgebiet liegenden deutschen Kriegsgräber aus den Kriegen 1914/18 und 1939/45 eine endgültige Regelung zu schaffen, in dem Bestreben, die Erhaltung und Pflege dieser Gräber in würdiger Weise sicherzustellen, sind wie folgt übereingekommen: Artikel 1 Im Sinne dieses Abkommens gelt

Darf die Anlage besucht werden?

Ploudaniel-Lesneven ist wie jede Kriegsgräberstätte öffentlich zugänglich, soweit der Friedhof geöffnet ist, auf dem die Anlage liegt. Die großen Anlagen in Frankreich haben einen eigenen Eingang und sind ganzjährig offen. Eine Anmeldung ist für Einzelbesuche nicht nötig, für Gruppen und Kranzniederlegungen dagegen üblich.

Quellen

  • Bestandsangaben dieses Verzeichnisses zur Anlage Ploudaniel-Lesneven.
  • Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft (Gräbergesetz).
  • Zwischenstaatliche Kriegsgräberabkommen für Frankreich.