1914–1918
Erinnerungsorte · Belgien

Kriegsgräberstätte Lommel in Belgien: Anlage, Lage und Geschichte

Diese Seite fasst zusammen, was über die Kriegsgräberstätte Lommel überliefert ist: die Anlage selbst, ihre Lage und der rechtliche Rahmen, in dem sie erhalten wird.

Kriegsgräberstätte, stellvertretende Ansicht – zur Anlage Lommel liegt in diesem Verzeichnis kein eigenes Bild vor
Kriegsgräberstätte, stellvertretende Ansicht – zur Anlage Lommel liegt in diesem Verzeichnis kein eigenes Bild vorUser:Redvers · Public domain · Wikimedia Commons

Die Anlage Lommel

Während der Kämpfe in Belgien und Westdeutschland, insbesondere bei Aachen, im Hürtgenwald und am Brückenkopf Remagen, bestattete der amerikanische Gräberdienst, die in diesem Kampfbereich geborgenen deutschen Gefallenen provisorisch auf vier Sammelfriedhöfen: Henri-Chapelle, Fosse, Overrepen und Neuville-en-Condroz. Aus den vier genannten Orten wurden die Toten in den Jahren 1946/47 nach Lommel umgebettet. 1946 übergab der amerikanische Gräberdienst diese provisorische deutsche Sammelanlage den zuständigen belgischen Behörden. Diese betteten weitere deutsche Kriegstote des Zweiten Weltkrieges aus den verschiedenen Landesteilen Belgiens nach Lommel um. Die betroffenen Erstgrablagen wurden dabei aufgelöst. Außerdem erhielten hier 542 deutsche Soldaten des Ersten Weltkrieges, unter Auflösung eines kleinen Soldatenfriedhofes in Leopoldsburg, ihren letzten Ruheplatz. Für jeweils zwei Tote wurde ein Betonkreuz gesetzt. Ausbau durch den Volksbund Unmittelbar nach Abschluss des Kriegsgräberabkommens zwischen der deutschen und belgischen Regierung im Jahr 1952 begann der Volksbund das in einem großen Heidegebiet liegende Gräberfeld gärtnerisch zu gestalten. Zunächst musste die Fläche von Unkraut befreit und gegen den lästigen Flugsand ein Erdwall errichtet werden. Erst dann konnte die Bepflanzung mit Heidekraut und 5.000 Bäumen und Sträuchern erfolgen. Einsatz von Jugendlichen Bei den Ausbauarbeiten des Friedhofes halfen während der Sommermonate der folgenden Jahre Jugendliche aus 15 Nationen mit. Sie hatten sich hier in nationalen und internationalen Jugendlagern des CVJM, des Kolpingwerkes und des Jugendaufbauwerkes Schleswig-Holstein zusammengefunden. Hier entstand das Motto "Versöhnung über den Gräbern", das für die Jugendarbeit des Volksbundes gilt und noch durch "Arbeit für den Frieden" ergänzt wurde. Jugend- und Schularbeit Das Eingangsgebäude wurde 1993 für die Unterbringung von Jugendlichen als Jugendbegegnungsstätte ausgebaut. In der "Internationalen Jugendbegegnungsstätte Lommel" – die am 17. September 1993 eingeweiht wurde – werden Jugendliche mit der Vergangenheit konfrontiert und durch die Arbeit an den Kriegsgräbern lernen, wie wichtig es ist, friedlich miteinander zu leben. Die jungen Menschen können hier an Hand von pädagogischen Modulen historisch-politisch gebildet werden. Sie arbeiten daran, dass die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft nicht vergessen werden und sorgen bei der Begegnung von Gleichaltrigen aus vielen Ländern dafür, dass Europa stärker zusammenwächst. Identifizierung der Unbekannten Auf dem 16 Hektar großen Friedhof stehen fast 20.000 Kreuze. Jedes Kreuz steht für zwei Gefallene, Schilder auf beiden Seiten tragen die Namen, Lebensdaten und die Grabnummer. Von den 39.094 Gefallenen, die hier ihre letzte Ruhe erhalten haben, waren ursprünglich 13.000 unbekannt. Der Volksbund konnte bis heute fast 7.000 Schicksale nachträglich klären. Krypta An die internationale Jugendbegegnungsstätte schließt ein Ehrenfriedhof an. Der Blick auf das Gräberfeld wird durch eine Krypta begrenzt. Sie trägt auf dem Dach eine fast sechs Meter hohe Kreuzigungsgruppe aus Hartbasalt. Im Inneren der Krypta befindet sich die Plastik eines aufgebahrten toten Soldaten. Einweihung Am 06. September 1959 wurde diese bislang größte deutsche Kriegsgräberstätte des Zweiten Weltkrieges im Westen im Rahmen einer Gedenkstunde der Öffentlichkeit übergeben. Lage Provinz Limburg in Belgien, ca. 37 km nördlich Hasselt, ca. 4 km südlich der Stadt Lommel, an der Straße Lommel-Leopoldsburg. Pate dieses Friedhofes ist der Volksbund Landesverband Niedersachsen.

Lommel liegt in Belgien und geht auf Bestattungen in Frontnähe oder am Sterbeort zurück. Spätere Umbettungen haben den Bestand verändert; welche Gräber an welchen Ort verlegt wurden, ist nur über die Gräberkartei zu klären.

Lage und Wegbeschreibung

Die genaue Adresse des Friedhofs lautet: Duits kerkhof Dodenveldstraat 30 B 3920 Lommel

Wie bei allen Anlagen dieses Verzeichnisses gilt: Die Wegangabe stammt aus dem übernommenen Datenbestand. Straßenführungen, Zufahrten und Zuständigkeiten können sich seither geändert haben; vor einem Besuch lohnt eine kurze Rückfrage bei der Gemeinde oder der Friedhofsverwaltung.

Landesinformation für Belgien

Aus dem 1. Weltkrieg sind in Belgien 134.000 deutsche Soldatengräber zurückgeblieben. Sie lagen verstreut an 270 Orten in allen Teilen des Landes. Neben 99 deutschen Soldatenfriedhöfen gab es 22 deutsche Gräberfelder auf alliierten Soldatenfriedhöfen, 36 Ehrenfelder auf belgischen Gemeindefriedhöfen und auf weiteren 100 belgischen Gemeindefriedhöfen Einzelgräber oder kleinere deutsche Gräbergruppen bis zu 20 Toten. Da sich eine Erhaltung und Pflege der zahlreichen kleinen Friedhöfe auf Dauer als unmöglich erwies, sah das am 28.05.1954 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Belgien geschlossene Kriegsgräberabkommen eine Zusammenbettung der deutschen Toten des 1. Weltkrieges auf wenige größere Anlagen vor. Alle unbekannten Gefallenen wurden nach Langemark überführt. Daneben liegen in Flandern noch drei weitere große deutsche Soldatenfriedhöfe: Menen, Vladslo und Hooglede. Ferner bestehen deutsche Gräberfelder für insgesamt 2.233 Tote auf fünf belgischen Gemeindefriedhöfen sowie neun gemeinsame Kriegsgräberstätten für 5.014 deutsche und 3.180 französische Gefallene aus dem 1. Weltkrieg in Südbelgien. 2.525 deutsche Tote aus dem 1. Weltkrieg wurden auf 88 britischen Soldatenfriedh

Kriegsgräberabkommen in Belgien

ABKOMMEN ZWISCHEN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND UND BELGIEN ÜBER DIE DEUTSCHEN KRIEGSGRÄBER. Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland einerseits und Die Belgische Regierung andererseits haben in dem Bestreben, in würdiger Weise die Pflege der deutschen Kriegsgräber in Belgien sicherzustellen sowie in Anbetracht der Bestimmungen, die in der am 6. März 1926 zwischen Deutschland und Belgien ausgetauschten Erklärung über die Soldatengräber enthalten waren, beschlossen, zu diesem Zweck folgendes Abkommen zu schließen: I.GELÄNDEKONZESSIONEN. Artikel 1 Die Belgische Regierung stellt der Regierung der Bundesrepublik Deutschland das Gelände, auf dem sich gegenwärtig die deutschen Kriegsgräber aus den Kriegen von 1914 -1918 und von 1939 -1945 befinden, gegebenenfalls einschließlich der Zugangswege, zur unentgeltlichen Benutzung zur Verfügung. Unter deutschen Gräbern sind Gräber deutscher Wehrmachtsangehöriger oder diesen gleichgestellter Personen oder anderer Personen deutscher Staatsangehörigkeit zu verstehen, die infolge von Kriegsereignissen verstorben sind. Artikel 2 Hinsichtlich der auf Gemeindefriedhöfen bestatteten Leichen gewährleistet die Belgische Regierung der Regierung der B

Kriegsgräber in Belgien

Für Belgien ist die Erhaltung deutscher Kriegsgräber zwischenstaatlich geregelt. Zuständig sind die Behörden des Landes, in dem die Gräber liegen, in Zusammenarbeit mit dem deutschen Kriegsgräberdienst; die Anlagen sind dadurch dauerhaft gesichert, auch wenn sie abseits größerer Orte liegen.

Bei Lommel ist wie bei allen Anlagen außerhalb des deutschen Sprachraums die Ortsnamenfrage zu beachten. Historische und heutige amtliche Bezeichnung können voneinander abweichen; für eine Anfrage an eine Behörde vor Ort sollten beide Formen angegeben werden.

Umbettungen sind in mehreren Wellen erfolgt, zuletzt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der in älteren Unterlagen genannte Bestattungsort ist deshalb nicht in jedem Fall der heutige.

Hinweise für einen Besuch

Lommel ist ein Friedhof und kein Ausflugsziel; die örtliche Friedhofsordnung gilt uneingeschränkt. Die Öffnungszeiten richten sich nach denen des Friedhofs, auf dem die Anlage liegt.

Die oben genannte Wegangabe stammt aus dem übernommenen Bestand; sie ist für die Anfahrt brauchbar, ersetzt aber keine aktuelle Auskunft der Verwaltung. Wer mit einer Gruppe kommt, meldet sich am besten vorher an; für Belgien gilt das besonders dann, wenn eine Kranzniederlegung geplant ist.

Wer an Lommel eine Gedenkveranstaltung vorbereitet, findet Ablaufvorschläge und Handreichungen unter Downloads; die Namenssuche selbst ist in der Anleitung zur Gräbersuche beschrieben.

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Häufige Fragen

Wo liegt die Kriegsgräberstätte Lommel?

Die Anlage liegt in Belgien. Die genaue Adresse des Friedhofs lautet: Duits kerkhof Dodenveldstraat 30 B 3920 Lommel

Wer ist in Lommel bestattet?

Die Beschreibung der Anlage nennt die Belegung, soweit sie in diesem Verzeichnis überliefert ist. Namenslisten der Bestatteten führen die zuständigen Gräberdienste, nicht dieses Verzeichnis. Der Einstieg in eine Namenssuche ist in der Anleitung zur Gräbersuche beschrieben.

Wer pflegt die Kriegsgräber in Belgien?

ABKOMMEN ZWISCHEN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND UND BELGIEN ÜBER DIE DEUTSCHEN KRIEGSGRÄBER. Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland einerseits und Die Belgische Regierung andererseits haben in dem Bestreben, in würdiger Weise die Pflege der deutschen Kriegsgräber in Belgien sicherzustellen sowie in Anbetracht der Bestimmungen, die in der am 6. März 1926 zwischen Deutschland und Belgien ausgetauschten Erklärung über die Soldatengräber enthalten waren, beschlossen, zu diesem Zweck folgendes Abkommen zu schließen: I.GELÄNDEKONZESSIONEN. Artikel 1 Die Belgische Regierung stellt der Regierung der Bundesrepublik

Darf die Anlage besucht werden?

Lommel ist wie jede Kriegsgräberstätte öffentlich zugänglich, soweit der Friedhof geöffnet ist, auf dem die Anlage liegt. Für Belgien gilt die jeweilige örtliche Friedhofsordnung. Eine Anmeldung ist für Einzelbesuche nicht nötig, für Gruppen und Kranzniederlegungen dagegen üblich.

Quellen

  • Bestandsangaben dieses Verzeichnisses zur Anlage Lommel.
  • Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft (Gräbergesetz).
  • Zwischenstaatliche Kriegsgräberabkommen für Belgien.