1914–1918
Erinnerungsorte · Frankreich

Kriegsgräberstätte Bourdon in Frankreich: Anlage, Lage und Geschichte

Diese Seite fasst zusammen, was über die Kriegsgräberstätte Bourdon überliefert ist: die Anlage selbst, ihre Lage und der rechtliche Rahmen, in dem sie erhalten wird.

Kriegsgräberstätte, stellvertretende Ansicht – zur Anlage Bourdon liegt in diesem Verzeichnis kein eigenes Bild vor
Kriegsgräberstätte, stellvertretende Ansicht – zur Anlage Bourdon liegt in diesem Verzeichnis kein eigenes Bild vorUser:Redvers · Public domain · Wikimedia Commons

Die Anlage Bourdon

Auf dieser Kriegsgräberstätte ruhen 22.216 Kriegstote. Die Schlachten an der Somme kosteten während des Ersten Weltkrieges Hunderttausende Menschenleben. Daran erinnern bis heute zahlreiche Friedhöfe der beteiligten Nationen. Aber auch während des Zweiten Weltkrieges, im Juni 1940, ist die Sommegegend wieder der Schauplatz heftiger Kämpfe: dieses Mal jedoch im Unterlauf und im Küstenbereich. Die deutschen Truppen, insbesondere die Panzereinheiten, stoßen rasch vor in Richtung Ärmelkanalküste, die sie am 20. Mai 1940 erreichen. Boulogne fällt am 25. Mai, Calais am 26. Mai 1940; Lille wird am 29. Mai eingenommen. Ungefähr 400 000 französische und englische Soldaten sind eingekesselt. Churchill entscheidet, das britische Expeditionsheer via Dünkirchen zu evakuieren. Trotz der deutschen Luft- und Panzerangriffe gelingt es, rund 300 000 britische, französische und auch einige Tausend belgische Soldaten auf dem Seewege zu evakuieren. Die bei diesen Kampfhandlungen und beiden Rückzugskämpfen Ende August/Anfang September 1944 in den Départements Nord, Pas-de-Calais und Somme gefallenen beziehungsweise später in Gefangenschaft verstorbenen deutschen Soldaten ruhen auf dieser Kriegsgräberstätte. 1961 begann der Volksbund damit, die deutschen Toten aus Grablagen in den umliegenden Départements zu bergen. 22 Kilometer nordwestlich von Amiens legte er den Friedhof Bourdon als zentralen Sammelfriedhof an. Der Friedhof wurde am 16. September 1967 eingeweiht. Sein wichtigstes Merkmal ist der zehn Meter hohe Rundbau aus Pfälzer Sandstein mit einem Durchmesser von zwölf Metern (Titelbild). Im Innenraum steht die von Prof. Gerhard Marcks geschaffene Marmorplastik Die Mutter. Sie verkörpert den Schmerz aller Mütter dieser Welt um ihre im Krieg gefallenen Söhne. Der Raum wird durch eine Öffnung in der Decke und durch sechs schmale Schlitze im Mauerwerk beleuchtet. Ein breiter Rasenweg führt zu dem zwölf Meter hohen Holzkreuz. Zu beiden Seiten des Weges liegt das Gräberfeld. Es ist in 44 Blöcke eingeteilt. Kreuze aus französischem Kalkstein tragen auf beiden Seiten je drei Namen. Der Landesverband Nordrhein-Westfalen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist Pate dieses Friedhofes. Nach dem Besuch des Friedhofes sollten Sie nicht versäumen, das in der Nähe gelegene Dorf Picquigny zu besuchen; berühmt durch das Treffen auf einer Flussinsel in der Somme im Jahre 1475 zwischen dem französischen König Ludwig XI. und dem englischen König Eduard VI. Zu sehen ist noch die Ruine eines Schlosses aus dem XII. Jahrhundert sowie die Stiftskirche St. Martin aus dem XV. Jahrhundert. Auf dem rechten Sommeufer wurde Samara, der größte archäologische Park Frankreichs, eingerichtet. Sehenswert ist ebenfalls Amiens mit seiner Kathedrale Notre-Dame, die das größte gotische Bauwerk Frankreichs darstellt. Lohnend ist auch eine Fahrt an die Sommebucht, genannt die Camargue der Region Nord, mit malerischen Fischerdörfern wie zum Beispiel Saint Valéry-sur-Somme mit seiner Spezialität Fischsuppe und dem ornithologischen Park du Mar quenterre am rechten Ufer.

Bourdon geht auf die Zusammenlegung zahlreicher Einzel- und Behelfsgrabstätten zurück. Nach 1918 und erneut in den 1950er Jahren wurden die verstreuten Gräber eines Frontabschnitts auf wenige große Anlagen überführt; die heutige Größe ist das Ergebnis dieser Umbettungen und nicht die eines einzelnen Gefechts.

Lage und Wegbeschreibung

Lage:Der deutsche Soldatenfriedhof Bourdon liegt 18,5 km nordwestlich von Amiens an der Straße Amiens ­Abbeville. Über eine Umgehungsstraße umfährt man Amiens und kommt direkt auf die N 1 Richtung Abbeville, bis ca. 4 km vor Flixecourt. Dort biegt man links auf die D 81 ab und erreicht nach ca. 3 km den Friedhof. Auf Michelin­Karte 52 leicht zu finden.Die genaue Adresse des Friedhofs lautet:Cimetiere Militaire Allemand16, rue du 8 Mai 194580310 Bourdon

Wie bei allen Anlagen dieses Verzeichnisses gilt: Die Wegangabe stammt aus dem übernommenen Datenbestand. Straßenführungen, Zufahrten und Zuständigkeiten können sich seither geändert haben; vor einem Besuch lohnt eine kurze Rückfrage bei der Gemeinde oder der Friedhofsverwaltung.

Landesinformation für Frankreich

Der Krieg 1870/71 Der deutsch-französische Krieg 1870/71 war der Beginn von drei Auseinandersetzungen innerhalb von 75 Jahren. Gräber und Denkmäler erinnern noch heute an diesen Krieg, der bei beiden Nationen 80.000 Menschenleben forderte. Verheerend wirkte sich der Erste Weltkrieg in Frankreich aus. 930.000 deutsche und eine Million französische Soldaten sind gefallen. Auf 192 Anlagen ruhen 461.000 Gefallene in Einzelgräbern, etwa 294.000 sind in Gemeinschaftsgräbern bestattet. Die Neugestaltung der 192 Anlagen des Ersten Weltkrieges für 765.000 Gefallenen dauerte bis in die 80er Jahre. Holzkreuze wurden durch Stein- oder Metallkreuze ersetzt und die Anlagen baulich und gärtnerisch überarbeitet. Der Zweite Weltkrieg kostete in Frankreich 240.000 Menschen auf deutscher und 255.000 auf französischer Seite das Leben. Das Kriegsgräberabkommen vom 19.07.1996 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Frankreich regelt den Ausbau und die Erhaltung der deutschen Kriegsgräberstätten. In dem Vertrag wurden dem Volksbund die Arbeiten übertragen. 1975 waren alle 22 Anlagen für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges fertiggestellt. Jugendliche halfen und helfen in deutschen und

Kriegsgräberabkommen in Frankreich

Abkommen zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Französischen Republik über die deutschen Kriegsgräber auf französischem Hoheitsgebiet. Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland einerseits, und die Regierung der französischen Republik andererseits - in dem Wunsch, für die auf dem französischen Hoheitsgebiet liegenden deutschen Kriegsgräber aus den Kriegen 1914/18 und 1939/45 eine endgültige Regelung zu schaffen, in dem Bestreben, die Erhaltung und Pflege dieser Gräber in würdiger Weise sicherzustellen, sind wie folgt übereingekommen: Artikel 1 Im Sinne dieses Abkommens gelten als a) deutsche Kriegstote: Angehörige der deutschen Streitkräfte, diesen gleichgestellte Personen, Personen deutscher Staatsangehörigkeit, die im Zusammenhang mit den Kriegsereignissen 1914/18 und 1939/45 gestorben sind und die, soweit es sich um die letztere Gruppe und den letzten Krieg handelt, im Zeitpunkt ihres Todes unter dem Schutz der Genfer Konvention von 1929 standen; b) deutsche Kriegsgräber: die auf französischem Hoheitsgebiet liegenden Gräber deutscher Kriegstoter; c) deutsche Kriegsgräberstätten: die Friedhöfe oder Teile von Friedhöfen, die nur deutsche Kri

Kriegsgräber in Frankreich

Die deutschen Kriegsgräber in Frankreich sind nach 1918 und noch einmal nach 1954 auf eine überschaubare Zahl großer Sammelanlagen zusammengelegt worden. Bourdon ist eine davon, und das erklärt die Größenordnung: Hier ruhen Tote aus einem ganzen Frontabschnitt, nicht die Gefallenen eines Ortes.

Die Erhaltung ist zwischenstaatlich geregelt. Die Anlagen liegen auf französischem Staatsgebiet und werden auf der Grundlage des deutsch-französischen Kriegsgräberabkommens dauerhaft unterhalten; das Ruherecht ist unbefristet. Eine Einebnung, wie sie bei zivilen Gräbern nach Ablauf der Ruhefrist üblich ist, findet hier nicht statt.

Für die Suche nach einer einzelnen Person bedeutet die Zusammenlegung, dass Sterbeort und heutiger Ruheort weit auseinanderliegen können. Der Weg führt über die Gräberkartei, nicht über den Ort des Gefechts.

Hinweise für einen Besuch

Bourdon ist ein Friedhof und kein Ausflugsziel; die örtliche Friedhofsordnung gilt uneingeschränkt. Die großen Sammelanlagen sind in der Regel ganzjährig zugänglich und haben einen eigenen Eingangsbereich mit Namensverzeichnis.

Die oben genannte Wegangabe stammt aus dem übernommenen Bestand; sie ist für die Anfahrt brauchbar, ersetzt aber keine aktuelle Auskunft der Verwaltung. Wer mit einer Gruppe kommt, meldet sich am besten vorher an; für Frankreich gilt das besonders dann, wenn eine Kranzniederlegung geplant ist.

Wer an Bourdon eine Gedenkveranstaltung vorbereitet, findet Ablaufvorschläge und Handreichungen unter Downloads; die Namenssuche selbst ist in der Anleitung zur Gräbersuche beschrieben.

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Häufige Fragen

Wo liegt die Kriegsgräberstätte Bourdon?

Die Anlage liegt in Frankreich. Lage:Der deutsche Soldatenfriedhof Bourdon liegt 18,5 km nordwestlich von Amiens an der Straße Amiens ­Abbeville. Über eine Umgehungsstraße umfährt man Amiens und kommt direkt auf die N 1 Richtung Abbeville, bis ca. 4 km vor Flixecourt. Dort biegt man links auf die D 81 ab und erreicht nach ca. 3 km den Friedhof. Auf Michelin­Karte 52 leicht zu finden.Die genaue Adresse des Friedhofs lautet:Cimetiere Militaire Allema

Wer ist in Bourdon bestattet?

Die Beschreibung der Anlage nennt die Belegung, soweit sie in diesem Verzeichnis überliefert ist. Namenslisten der Bestatteten führen die zuständigen Gräberdienste, nicht dieses Verzeichnis. Der Einstieg in eine Namenssuche ist in der Anleitung zur Gräbersuche beschrieben.

Wer pflegt die Kriegsgräber in Frankreich?

Abkommen zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Französischen Republik über die deutschen Kriegsgräber auf französischem Hoheitsgebiet. Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland einerseits, und die Regierung der französischen Republik andererseits - in dem Wunsch, für die auf dem französischen Hoheitsgebiet liegenden deutschen Kriegsgräber aus den Kriegen 1914/18 und 1939/45 eine endgültige Regelung zu schaffen, in dem Bestreben, die Erhaltung und Pflege dieser Gräber in würdiger Weise sicherzustellen, sind wie folgt übereingekommen: Artikel 1 Im Sinne dieses Abkommens gelt

Darf die Anlage besucht werden?

Bourdon ist wie jede Kriegsgräberstätte öffentlich zugänglich, soweit der Friedhof geöffnet ist, auf dem die Anlage liegt. Die großen Anlagen in Frankreich haben einen eigenen Eingang und sind ganzjährig offen. Eine Anmeldung ist für Einzelbesuche nicht nötig, für Gruppen und Kranzniederlegungen dagegen üblich.

Quellen

  • Bestandsangaben dieses Verzeichnisses zur Anlage Bourdon.
  • Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft (Gräbergesetz).
  • Zwischenstaatliche Kriegsgräberabkommen für Frankreich.